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Aus unserer aktuellen Ausgabe


Vorwort des Präsidenten

Liebe Mitglieder des ÖZIV Burgenland,

Liebe Leserinnen und Leser,

 

die erste GleichSicht des Jahres 2017 - die insgesamt sechste Ausgabe, seit es das Projekt gibt. Als mein Team (damals bestehend aus Sabine Wassicek) und ich im Jahr 2012 in einem kleinen Büro im ersten Stock des Technologiegebäudes gesessen sind, haben wir immer wieder über die Zukunft gesprochen. Wie wird es weitergehen? Wird der ÖZIV Burgenland jemals größer werden?

 

Heute sieht unsere Situation anders aus: Wir haben unsere Mitgliederanzahl verdreifacht, sind burgenlandweit (und wohl auch über den Neusiedler See hinaus) bekannt und sind in einem größeren Büro, sodass nicht nur unsere Mitarbeiter (seit zwei Jahren ist auch Tamara Tometich an unserer Seite) mehr Platz haben, sondern auch unsere Klienten keine „Platzangst“ bekommen, wenn sie zu uns kommen und beraten werden.

 

Doch wir beraten nicht nur - wir bieten mehr! Seit Jahren gibt es unser Projekt „Kultur für Alle“. An diesen Tagen sind unsere Mitglieder die VIPs! Neben „Kultur für Alle“ gibt es auch Veranstaltungen und Angebote für Kinder oder, wie auf den nächsten Seiten zu lesen ist, auch McTastische Partys bei McDonalds!

 

Die Beratung und Unterstützung steht natürlich noch immer im Vordergrund. Uns ist es wichtig, dass wir den Menschen helfen, die nirgendwo anders Hilfe bekommen.

 

Wir sind der erste Ansprechpartner für jene Gruppe von Menschen geworden, die mit Schicksalsschlägen zu kämpfen haben und Unterstützung benötigen. Viele mögen denken, der ÖZIV Burgenland sei eine Landeseinrichtung - das ist aber nicht richtig: Wir sind ein Verein, der von den Beiträgen seiner Mitglieder, den Spenden der Menschen und der Förderung des Landes lebt.

 

Ich wünsche uns ein erfolgreiches Jahr 2017 und viel Vergnügen bei den zahlreichen Veranstaltungen.

 

Herzlichst Ihr

Hans-Jürgen Groß

Tag des Sports 2017 – ein Schuss ins Schwarze!

Ob Fußball, Tennis oder Bogenschießen – für behinderte Menschen sind sportliche Aktivitäten keine Selbstverständlichkeit. Ein Angebot ist kaum vorhanden; in vielen Fällen fehlen auch die notwendigen Hilfsmittel. Der ÖZIV Burgenland hat daher, in Zusammenarbeit mit Pepi Frank, geschäftsführender Vizepräsident des Behindertensportverbandes Burgenland, und dem VIVA Steinbrunn, Geschäftsführer Bernd Dallos, am 20. Mai einen „Tag des Sports“ veranstaltet.

 

Rund 80 Menschen mit Behinderungen, darunter Mitglieder des ÖZIV Burgenland, Bewohner und Betreuer von pro mente, eine Delegation der betreuten Wohngemeinschaft Neudörfl, die Behindertenhilfe „Geh mit uns“ und viele mehr kamen ins VIVA nach Steinbrunn und konnten unterschiedliche Sportarten ausprobieren.

 

Kati betreute die Tennisfans – sie ist Tennisinstruktorin für behinderte Menschen und will, wenn sich genügend Leute melden, eine eigene Tennisgruppe gründen. Mit Felix, einem acht Jahre alten Buben, hat sie schon einen richtigen Fan gewonnen. „Ich werde der Nachfolger von Dominic Thiem“, so der Achtjährige. Wenn es mit der Tenniskarriere doch nicht klappen sollte? „Dann werde ich Fußballtrainer“ – Felix weiß, was er will.

Robert, der seit seiner Kindheit Tischtennis spielt, sitzt seit 13 Jahren im Rollstuhl. Tischtennis spielt er noch immer – genauer gesagt: Rollstuhl-Tischtennis. Er spielt mit anderen Rollstuhlfahrern in Kleinhöflein und freut sich ebenfalls über neue Sportbegeisterte. Peter, Obmann des „Union Triathlon Team Burgenland“, hat Kegeln angeboten. „Es freut mich, wenn ich die positiven Seiten des Lebens aufzeigen kann“, so Peter. Thomas, ein Mitglied des ÖZIV Burgenland, war begeistert – er hat das erste Mal gekegelt, ließ sich aber auch Tischtennis und Bogenschießen nicht entgehen.

Sportlich wurde es auch bei Bernhard – er war für das Bogenschießen zuständig.

Werner hat sich kurzentschlossen als Fußballtrainer zur Verfügung gestellt und am Kunstrasenplatz neben den Bogenschützen zum Match gerufen.

Georg Tischler war ebenfalls in Steinbrunn und zeigte den Interessierten, dass Kugelstoßen auch dann möglich ist, wenn man im Rollstuhl sitzt. Die Anwesenden konnten zeigen, ob sie das Zeug zum nächsten Olympia-Sieger haben. Mit Georg Tischler hatten sie zumindest den besten Lehrer: Georg ist Rollstuhl-Leichtathlet, dreifacher Weltmeister im Kugelstoßen, Weltrekordhalter (10,32 m im Kugelstoßen) und Goldmedaillen-Gewinner (Paralympics 2004 in Athen).

Eine weitere Disziplin zum Ausprobieren war das Stockschießen.

 

In der Halle trainierten natürlich auch die Wild Wheels, das ÖZIV E-Rolli-Fußballteam. Auch unser Handbike stand zur Verfügung und wurde von einigen Anwesenden ausprobiert.

 

Der „Tag des Sports“ hat gezeigt, dass sportliche Aktivitäten nicht nur anstrengend und lustig sein können, sondern auch hungrig machen. Um 12 Uhr gab es eine „gesunde Jause“ mit Wraps, Aufstrichen, Obst und Müsli-Riegeln.

 

Am Ende des Tages waren die Verantwortlichen – allen voran das ÖZIV Burgenland Büro (Tamara und Sabine) und Präsident Hans-Jürgen Groß sowie Pepi Frank sich einig, dass die Veranstaltung ein großer Erfolg war.

 

Wer Interesse an sportlichen Aktivitäten hat, kann sich jederzeit beim ÖZIV Burgenland melden!

 

Ein Dankeschön für die gelungene Veranstaltung gilt natürlich allen Helfern und Betreuern der Stationen, dem Team des Landessportzentrums VIVA für die Mithilfe und den Sponsoren Raiffeisenbank Steinbrunn und UNIQA Insurance Group AG, die uns bei dieser Veranstaltung ebenfalls unterstützt haben.

Magic Moments - ein Nachmittag mit Kinderliedersänger Bernhard Fibich!

Jedes ordentliche Mitglied des ÖZIV Burgenland bis zum vollendeten 14. Lebensjahr hat die Chance auf einen Magic Moment. Wir ziehen mehrmals pro Jahr eine/n Gewinner/in aus unserer Losbox und machen uns auf die Suche nach einem ganz persönlichen Magic Moment.

Der erste Magic Moment im Jahr 2017 ging an Annika J. Sie durfte den Kinderliedersänger Bernhard Fibich live erleben. Der nachfolgende Artikel zeigt, dass es ihr richtig gut gefallen hat!

 

Liebes ÖZIV Team!

Ich konnte am Samstag, dem 13. Mai, einen ganz besonderen Tag erleben. Ich war von Bernhard Fibich zu einem ganz besonderen Konzert ins Haus der Musik eingeladen worden! Ich kannte den Bernhard nur von seinen CDs oder von YouTube, aber live war das etwas ganz anderes. Er hat mich sogar persönlich begrüßt und mit meinen Eltern gesprochen und uns gesagt, dass wir nach dem Konzert noch da bleiben sollen, weil er mit mir noch was singen und mir auch alles hinter der Bühne zeigen möchte! Ich war zuerst noch unsicher und es war mir auch zu laut - die vielen Kinder - alles ganz anders als normal. Aber dann hat er hervor geguckt, einmal rechts, dann links, dann kurz oben drüber! Dann hat er noch einige Sachen herumgewirbelt und Unordnung und Quatsch gemacht, also fast so gut, wie ich in meinem Zimmer! Aber dann ging es los. Ich traute mich ja gar nicht zu den anderen Kindern auf den Teppich, sondern blieb lieber in der ersten Reihe auf einem Sessel, sicher ist sicher - und die Mama gleich hinter mir. Ich wollte lieber alles zuerst beobachten und abwarten. Dann vorsichtig mit den Beinen zappeln, langsam vom Sessel rutschen und langsam eintanzen. Aber als das „Schrumm-, bumm-, sing-, kling-Lied“ gekommen ist musste ich auch vor, direkt zu ihm und mich wie ein Star fühlen, da er sogar meinen Namen gesagt hat!!!! Juhu!

Mir hat besonders gut gefallen, dass ich mein Lieblingslied mit Bernhard live auf der Bühne singen durfte. War das „coooooool“! Ich mit einem echten Mikro - er an der Gitarre. Ich war dann halt ein Star - besonders für meine Eltern. Wir haben ja schlussendlich live gesungen! Also, ich denke, ich werde das ausbauen und will ein Superstar werden. Der Papa hat mir dann noch gesagt, ich bin der jüngste Groupie den er kennt, der gleich beim ersten Konzert mit dem Star hinter die Bühne verschwindet…

… ich habe mich bis zum Schlafengehen nicht wirklich beruhigen können. Meine Eltern brauchen nun einen Urlaub, weil es gibt nur noch Bernhard, Bernhard, Bernhard! Gleich im Auto musste mein Papa die erste CD, die er mir geschenkt hat, einwerfen und bis nach Hause haben wir im Auto mitgesungen und zu Hause gab es nur eine kurze Pause. Die brauchte ich, um vom Auto in mein Zimmer zu kommen um die CD gleich in meinem Player noch mal anzuhören, bis die Mama mein Treiben beendete und sagte, dass ich muss nun ins Bett muss! Ich sag Euch, das sind die Ur-Spaßbremsen. So ein Tag sollte nie zu Ende gehen!!!

Danke, Danke, Danke und mein Papa hat den Bernhard und mich ja aufgenommen und das werde ich mir nun immer wieder ansehen!

Annika, Sonja und Christian bedanken sich für die Aktion Magic Moments bei Euch und hoffen, dass Ihr auch noch vielen anderen Kinder viele glücklich Stunden und Wünsche auf diese Weise erfüllen könnt!

Das war McTastisch!

Am 11. Mai 2017 luden der ÖZIV Burgenland und McDonalds Eisenstadt zu einer besonderen Party: 30 ÖZIV Burgenland Mitglieder wurden zu einem netten Beisammensein in die Filiale Eisenstadt geladen und bekamen eine Hauptspeise, eine Beilage (oder ein Dessert) und ein Getränk - kostenlos. Dr. Gahler und das Büro des ÖZIV Burgenland stehen schon seit längerer Zeit in Kontakt – Dr. Gahler war sichtlich begeistert, dass der extra zur Verfügung gestellte Bereich fast nicht ausgereicht hat und zudem auch die Medien vor Ort waren. Natürlich hat es auch den Mitgliedern gefallen und geschmeckt. Allen voran Leon G.: „Ich habe Chicken Nuggets, Pommes und Gitterpommes und Emmentaler-Sternchen gegessen und Leitungswasser getrunken. Mir hat die heutige Party sehr gut gefallen.“ Auch Thomas, der von Mattersburg angereist ist, war sichtlich begeistert. „Das war die bislang beste ÖZIV-Veranstaltung des Jahres“, so Thomas.

Die Mitglieder bekamen auch eine gesunde Nachspeise (Obstsalat), ein Coca Cola-Glas und McDonalds-Bälle.

 

Wer am 11. Mai keine Zeit hatte, der muss nicht traurig sein: Noch in diesem Jahr folgt eine weitere McDonalds-Party! Der Zeitpunkt wird rechtzeitig bekannt gegeben!

 

Wir sagen Danke an Dr. Gerhard Gahler und Franzi, die hervorragende Arbeit geleistet haben und freuen uns auf die nächste McTastische Fast-Food-Party in Eisenstadt!

Kindertreffen Rollinos

Das erste Kindertreffen 2017 hat im Naturpark „Die Wüste“ in Mannersdorf am Leithagebirge stattgefunden. Entgegen aller Aussichten hat das Wetter perfekt mitgespielt und wir haben einen schönen Nachmittag mit Lukas und seiner Familie erlebt. Leider war unsere Gruppe aufgrund von einigen Erkrankungen diesmal sehr dezimiert. Lukas hat die uneingeschränkte Aufmerksamkeit jedoch sehr genossen und uns wirklich prächtig unterhalten. Der Streichelzoo im Areal mit Pferden, Ziegen und Hochlandrindern, um nur einige zu nennen, war ganz besonders interessant. Der Kinderspielplatz vor den Toren des Klosters St. Anna lädt zum Verweilen ein und auch für eine kleine Stärkung zwischendurch findet sich hier der richtige Platz. Für das Jahr 2017 sind noch weitere Ausflüge und Treffen der Kindergruppe geplant:

23. bzw. 30. Juli 2017 – Spaß am Neusiedler See
10. bzw. 17. September 2017 – Kindererlebniswelt im Naturpark Markt Neuhodis

Mehr Details im Veranstaltungskalender unter www.oeziv-burgenland.at und natürlich rechtzeitig an die Rollinos des ÖZIV Burgenland.

Das haben wir geschafft – Vertretung, die sich auszahlt

In einem einzigen Verfahren von Pflegestufe 1 auf Pflegestufe 4

Den größten Erfolg im heurigen Jahr konnten wir für unser junges Mitglied Rene D. erzielen. Rene leidet am „Asperger Syndrom“. Das heißt, dass der elfjährige Junge massive Probleme im Umgang mit seinen Mitmenschen hat und sich nur schwer konzentrieren kann. Massive Wutausbrüche sind ebenso Teil der Symptome, wie auch die Begleiterkrankung ADHS. Die Mutter des Buben hat uns kontaktiert, nachdem Rene nur die Pflegestufe 1 zuerkannt wurde. Damit war sie nicht einverstanden und wir haben die Familie, nachdem vor dem zuständigen Gericht Klage eingebracht wurde, vertreten. Die Angst vor einer Gerichtsverhandlung konnten wir der Mutter rasch nehmen – die Mitglieder müssen nämlich nicht persönlich vor Ort sein. Das Ergebnis war grandios: Der Gutachter und auch die Richterin waren sich einig, dass dem elfjährigen Rene die Pflegestufe 4 zusteht. Ein derart großer Sprung ist selbst für uns ein seltenes Erlebnis.

 

Erhöhung abgelehnt

Frau O., die selbständig eine Erhöhung der Pflegestufe für ihren Sohn beantragte, scheiterte im ersten Anlauf. Da die Vertretung vor Gericht viel Arbeit bedeutet, einiges an Recherchen erfordert und sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, ist eine dreijährige Mitgliedschaft beim ÖZIV Burgenland Voraussetzung. Das war für die Familie kein Problem – die Beiträge wurden im Vorhinein bis zum Jahr 2019 bezahlt und wir haben uns an die Arbeit gemacht. Auch hier haben wir Gutachten angefordert, Befunde studiert und Gesetze durchforstet, um am Ende eine aussagekräftige Klage zu verfassen. Der Vergleich, der die nächsthöhere Pflegestufe ab Antragsstellung zusagt, war im Sinne aller Beteiligten und wurde von uns vor Gericht angenommen.

 

Vertretung über die Grenzen hinaus

Die Vertretung einer Familie aus dem Bezirk Hollabrunn gestaltete sich durch den Verhandlungsort in Korneuburg als etwas schwierig. Dem Siebenjährigen wurde nach einer Pflegegelduntersuchung eine Pflegegeldstufe aberkannt. Da sich jedoch am Gesundheitszustand und somit auch am Pflegeaufwand keine Verbesserungen zeigten, war auch hier der ÖZIV Burgenland am Werk. Nach Durchsicht der Unterlagen und der Vorgutachten sind wir gemeinsam mit der Familie zu dem Schluss gekommen, dass eine Klage durchaus Sinn macht. Nach der Einreichung kam die Ladung zur Verhandlung in Korneuburg. Nach kurzer Rücksprache mit der Rechtsanwaltskanzlei Dax & Partner waren alle Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt. Im Zuge unserer Kooperation hat die Kanzlei unser Mitglied mit Erfolg vertreten. Die aberkannte Pflegestufe ist wieder rechtskräftig und wir bedanken uns bei Dax & Partner für die tolle Unterstützung.

 

Ein kleiner Tipp in eigener Sache: Sollten Sie mit dem Ergebnis eines Antrags nicht zufrieden sein und eine Klage oder Beschwerde einbringen wollen, lassen Sie sich nicht zu lange Zeit, denn es müssen immer gewisse Fristen eingehalten werden. Je mehr Zeit wir in die Vorbereitung der Klagen und Beschwerden investieren können, desto schlagkräftiger werden die Schriftstücke. Für Klagen vor Gericht müssen außerdem persönliche Unterschriften geleistet werden, was ebenfalls koordiniert werden muss. Wenn Sie also der Meinung sind, Ihr Recht einfordern zu müssen, verlieren Sie keine Zeit und machen Sie einen Termin in unserem Büro in Eisenstadt bzw. Oberwart aus. Unter 02682/930 80 400 sind wir von Montag-Freitag von 9 – 12 Uhr für Sie erreichbar.

Mächtig viel Unterstützung

Frau C. ist im März 2016 Mitglied beim ÖZIV Burgenland geworden - der Grad der Behinderung von 30% war bereits festgestellt. Aufgrund der Verschlechterung des Zustands haben wir einen Antrag auf Erhöhung, inklusive der Zusatzeintragung „Unzumutbarkeit der Benützung öffentlicher Verkehrsmittel“, gestellt. Die Erhöhung auf 50% wurde zuerkannt, allerdings nur befristet – die Zusatzeintragung, wie so oft, abgelehnt. Angesichts der Diagnose „Morbus Bechterew“ - in Verbindung mit der rasanten Verschlechterung - haben wir gegen diesen Bescheid Beschwerde eingelegt. Im Sinne unserer Klientin wurde die Befristung gestrichen und die Zusatzeintragung genehmigt. Für die Anschaffung eines PKW mit Automatikgetriebe, um die Mobilität weiterhin aufrecht erhalten zu können, sind wir auch tätig geworden und haben Anträge zur Unterstützung gestellt – und bereits Zusagen bekommen. Die Situation von Frau C. hat sich so rasant Verschlechtert, dass nun auch ein Antrag auf Invaliditätspension notwendig wurde. Das Ergebnis steht noch aus. Wie sich der Alltag in nur einem Jahr verändern kann, haben wir zusammen mit unserer Klientin miterlebt. Wir haben alle Möglichkeiten ergriffen und alle Situationen gemeistert und damit zumindest zum Teil entlasten können.

 

Seit nunmehr 4 Jahren stehen wir Herrn W. – wie man so schön sagt – in guten und schlechten Zeiten zur Seite. Die Zuerkennung der „Unzumutbarkeit der Benützung öffentlicher Verkehrsmittel“ war ein langer arbeitsintensiver Weg. Bereits 2014 wurde die Zusatzeintragung abgewiesen. Ein erneuter Antrag (im Oktober 2015!) mit neuen Befunden brachte im März 2016 abermals keinen Erfolg. Gegen diesen Bescheid haben wir jedoch Beschwerde eingelegt. Das Bundesverwaltungsgericht der Republik Österreich hat schließlich im Jänner 2017 Recht gesprochen und den Bescheid aufgehoben. Wir haben über ein Jahr für unseren Klienten gekämpft und durften schließlich heuer im März den dringend benötigten Parkausweis §29b zuschicken.

 

Frau S. ist auf der Inform Oberwart 2016 auf den ÖZIV Burgenland aufmerksam geworden. Die Unterstützung hat direkt auf der Messe ihren Anfang genommen. Wie schwierig die Lage für Menschen mit Behinderungen sein kann, hat man hier ganz genau gesehen. Man hat die Dame, die ursprünglich aus Tschechien kommt, kaum mit Informationen versorgt. Kein Behindertenpass, geschweige denn eine Pflegegeldeinstufung – und das bei offensichtlich massiven körperlichen Einschränkungen. Dass der nun erhaltene Behindertenpass - mit 70% und den notwendigen Zusatzeintragungen - eine Erleichterung im Alltag bringt, liegt auf der Hand. Die zuerkannte Pflegestufe 1 ermöglicht die Inanspruchnahme der benötigten Hilfen im Tagesablauf.

Vanessa Spah – mein Leben mit FOP - Teil 2

In der ersten Gleichsicht-Ausgabe berichteten wir über Vanessa Spah und ihrem Leben mit FOP. Wie geht es Vanessa heute?

 

Seit der Diagnose 2014 hat sich in meinem Leben - neben der Kieferklemme - so einiges geändert. 

In der letzten Zeit musste ich sehr viel Kortison zu mir nehmen, da im Schulter- und Nackenbereich immer wieder Verknöcherungen stattgefunden haben, die danach fast oder zur Gänze verschwunden sind.  

 

Doch leider schleppt Kortison auch sämtliche Nebenwirkungen mit sich mit. Seit etwa einem halben Jahr habe ich in der Lendenwirbelsäule und im rechten Unterschenkel Osteoporose bekommen. 

Anfang August 2016, genau zwei Jahre nach der Diagnose, brach ganz plötzlich - ausgelöst durch die zu diesem Zeitpunkt noch unbekannte Osteoporose - mein rechter Schienbeinkopf. Ein komplizierter Bruch, der dringend operiert werden müsste. Doch eine Operation - ich bräuchte ein künstliches Kniegelenk - löst weitere, noch schlimmere Verknöcherungen aus. Mein Fuß ist nun komplett versteift, ich kann weder auftreten, noch kann ich mein Knie abwinkeln. Durch den Sturz - ich stützte mich auf dem rechten Arm ab - versteifte auch mein Arm in einem 90 Grad-Winkel. Seit diesem Zeitpunkt sitze ich nun im Rollstuhl. Letztlich war ich mit meiner Mama im KH Garmisch-Partenkirchen bei Chefarzt Dr. Stockklausner, der mir versicherte, dass in höchstwahrscheinlich 1 bis 2 Jahren das lang ersehnte Heil-Medikament "Palovarotene" auf dem Markt kommt und all meine bisherigen Verknöcherungen "gelöst/operiert" werden könnten.

 

Ich besuchte die HAK in Eisenstadt, die ich leider - aufgrund meiner aktuellen Lebenssituation - kurzfristig abbrechen musste. Inzwischen lerne ich von zuhause aus, da ich unbedingt die Schule mit Matura abschließen und Medizin studieren möchte. Ich hoffe nun, dass ich so schnell wie möglich operiert und somit wieder all‘ meine Hobbys ausüben kann. Bis dahin heißt es warten, warten & warten.

 

Mit freundlichen Grüßen an die Leser

Vanessa Spah, 16 Jahre

Eisenstadt 

Richtsätze 2017

Geringfügigkeitsgrenze:

  • € 425,70 monatlich

Rezeptgebührenbefreiung:

  • Bezieher einer Ausgleichszulage zu einer Pension aus der Pensionsversicherung
  • Bezieher einer Ergänzungszulage zu einem Ruhe- oder Versorgungsgenuss nach dem Pensionsgesetz 1965
  • Bezieher einer Provision, einer Witwenprovision oder einer Waisenprovision mit Ergänzungszulage von der Generaldirektion der österreichischen Bundesforste
  • Bezieher eines Vorschusses gemäß § 18 ARÜG
  • Bezieher einer Waisenrente oder Waisenbeihilfe gemäß §§ 39 ff. KOVG 1957 oder gemäß §§ 38 ff. HVG sowie Bezieher einer Elternrente gemäß §§ 44 ff. KOVG 1957 oder gemäß § 43 ff. HVG
  • Bezieher einer Witwen(Witwer)zusatzrente gemäß § 35 Abs. 3 KOVG 1957 oder gemäß § 33 Abs. 2 HVG sowie Bezieher einer Witwen(Witwer)beihilfe gemäß § 36 Abs. 2 KOVG 1957 oder gemäß § 35 HVG
     
  • €    889,84 netto (Alleinstehend)
  • € 1.334,17 netto (Ehepaare)
  • + € 137,30 pro Kind

Überdurchschnittliche Ausgaben infolge von Behinderung:

  • € 1.023,32 netto (Alleinstehend)
  • € 1.534,30 netto (Ehepaare)
  • + € 137,30 pro Kind

GIS – Befreiung:

  • Bezieher von: Pflegegeld oder einer vergleichbaren Leistung, 
  • Leistungen nach pensionsrechtlichen Bestimmungen oder diesen Zuwendungen vergleichbare sonstige wiederkehrende Leistungen versorgungsrechtlicher Art der öffentlichen Hand, 
  • Leistungen nach dem aktuellen Arbeitslosenversicherungsgesetz,
  • Beihilfen nach dem aktuellen Arbeitsmarktförderungsgesetz, 
  • Beihilfen nach dem aktuellen Arbeitsmarktservicegesetz, 
  • Beihilfen nach dem aktuellen Studienförderungsgesetz, 
  • Leistungen und Unterstützungen aus der Sozialhilfe oder der freien Wohlfahrtspflege oder aus sonstigen öffentlichen Mitteln wegen sozialer Hilfsbedürftigkeit sowie 
  • Gehörlose oder schwer hörbehinderte Personen.
     
  • €    996,62 netto (Alleinstehend)
  • € 1.494,27 netto (Ehepaare)
  • + € 153,78 für jede weitere Person

Ausgleichszulage:

  • €    889,84 (Alleinstehend)
  • € 1.334,17 (Ehepaare)
  • + € 137,30 pro Kind  

Pflegegeld:

  1. (mehr als 65 Std.)              €    157,30
  2. (mehr als 95 Std.)              €    290,00
  3. (mehr als 120 Std.)            €    451,80
  4. (mehr als 160 Std.)            €    677,60
  5. (mehr als 180 Std. +)         €    920,30
  6. (mehr als 180 Std. ++)       € 1.285,20
  7. (mehr als 180 Std. +++)     € 1.688,90

 

+ außergewöhnlicher Pflegeaufwand

++ zeitlich unkoordinierbare Betreuung Tag und Nacht

+++ keine zielgerichteten Bewegungen der Extremitäten

Unser Matthäus

Im nördlichen Burgenland, östlich vom Neusiedlersee, liegt Frauenkirchen. Eine Stadt – oder besser gesagt ein Dorf – mit etwas mehr als 2800 Einwohner. In Frauenkirchen beherbergt SeneCura ein Sozialzentrum mit ganzheitlicher Pflege, barrierefreien Einzel- und Doppelzimmern sowie auch einem speziellen Behindertenbereich mit Anlernwerkstatt, Qualifizierung, Tagesbeschäftigung und Wohnbetreuung. Dort wohnt auch Bezirksleiter Stellvertreter Matthäus Szalay. Matthäus erkrankte als Säugling an Meningitis und kämpfte sich von Heim zu Heim. An Wochenenden verbringt er oft Zeit bei seiner Tante. An Sport war nicht zu denken, da Matthäus einen Elektrorollstuhl benötigt. Erst bei unserer Aktion „Zurück ins Leben“, in Zuge dessen wir ein Fußballteam für Menschen im Elektrorollstuhl (E-Rolli) gründeten, eröffnete sich für Matthäus eine sportliche Gelegenheit. Er trat dem ÖZIV-Burgenland als Mitglied und infolge dem E-Rollstuhlfußballteam „Wild Wheels“ bei.

Bei den Trainings blühte Matthäus erst richtig auf. Da das „Wild Wheels“ Team auf Spenden angewiesen ist, damit Material- und PKW-Kosten bezahlt werden können, wurde Matthäus zum „Spendensammler“. Im Dezember 2016 übergab er dem ÖZIV-Burgenland Präsidenten Hans Jürgen Groß seine gesammelten Einnahmen. Durch sein Engagement erzielte er die stolze Summe von knapp 1.800 Euro!

Beim Fußballtraining lernte er seinen Rollstuhl der Marke „Yes“ effektiver zu steuern. Nicht nur vorwärts, auch rückwärts will dieser beherrscht sein. Egal ob man nun eine Sicht nach hinten hat oder nicht. Rechtzeitig vor seinem ersten Turnier, dem 3.Otto Bock Cup im Dezember 2016, schaffte der ÖZIV Burgenland - in Kooperation mit Fa. Frühwald - den alten „Yes“ Rollstuhl gegen einen neuen Otto Bock B500 zu tauschen. Dieser hat weit mehr Power - Matthäus war nun wettkampftauglich! Beim Cup holte sich das „Wild Wheels“ Team den 1.Platz in der Europaliga. Matthäus wurde mit dem Pokal und Titel „Bester Tormann“ ausgezeichnet.

Heute ist Matthäus Bezirksleiter-Stellvertreter und trainiert regelmäßig. Er fährt rund um Frauenkirchen und Neusiedl um Spenden zu sammeln. Durch die gesammelten Spenden kann das Team an Auswärtsspielen teilnehmen sowie im Sommer das Trainingslager besuchen. Matthäus fand aber nicht nur einen Sport, sondern auch neue Freunde im Team und auch bei den Spielen. Immerhin nahmen am Otto Bock Cup2016 mehr als 40 Rollstuhlfahrer teil!

Matthäus verbessert sich aber nicht nur enorm im Fußball, er wird selbstständiger und standhafter. Durch sein Engagement ist er heute mit Bezirksleiter Michael Streit dabei, im Burgenland die Barrierefreiheit zu verbessern. Ein erfolgreiches Schlichtungsverfahren mit der ÖBB war sein erster Erfolg als Bezirksleiter-Stellvertreter. Am Bespiel von Matthäus sieht man, wie wichtig Sport für Menschen mit Behinderungen ist.

Jakob Schriefl - Jobsuche mit Behinderung

Es ist wieder soweit: Das Schuljahr geht dem Ende zu, der Sommer naht und viele Jugendliche hoffen auf eine Möglichkeit, dass sie in den Sommerferien einen Job finden, damit sie für ein oder zwei Monate arbeiten gehen können. Auch viele österreichische Jugendliche mit einer Behinderung begeben sich heuer wieder auf die Suche nach einem geeigneten Ferialjob. Sehr oft wird eine Behinderung im Zusammenhang mit der Jobsuche – ob für ein Sommerpraktikum oder eine Festanstellung – als großes Hindernis gesehen. Ich möchte in dieser Ausgabe darauf eingehen, warum diese Annahme meiner Meinung nach sehr oft nicht der Wahrheit entspricht und wie eine Behinderung vermehrt sogar als positive Eigenschaft in Szene gesetzt werden kann.

 

Stichwort: Diversität

Der Begriff „Diversität“ schwirrt in letzter Zeit immer öfter durch verschiedenste Medien. Besonders große Unternehmen versuchen Mitarbeiter mit möglichst gravierenden charakterlichen, ethnischen oder religiösen Unterschieden zu engagieren, um im Unternehmensalltag auf Experten aus verschiedensten Kulturkreisen und sozialen Umfeldern zurückgreifen zu können. Es wird gezielt darauf geachtet, dass Menschen mit unterschiedlichen Weltansichten, Traditionen oder sozialen Kontakten in den Unternehmen aufgenommen werden. So soll gesichert werden, dass Herausforderungen aus verschiedensten Bereichen überhaupt erst einmal verstanden können und schließlich auch gemeistert werden können.

Zu diesen Unterscheidungsmerkmalen zählt auch eine Behinderung. Mitarbeiter mit Behinderungen werden immer mehr als ein wichtiger Bestandteil des sozialen Klimas innerhalb eines Unternehmens gesehen, auf deren Erfahrungen und Ansichten man stets zurückgreifen kann. Menschen mit Behinderungen stellen keineswegs eine „Bürde“ innerhalb eines solchen Unternehmens dar.

 

„Meistern“ einer Behinderung als Stärke

Durch Aufklärungsarbeit und positive (prominente) Beispiele, wie etwa den bekannten Psychologen und Autor Georg Fraberger oder den Nationalratsabgeordneten und Autor Franz-Joseph Huainigg, werden Menschen mit Behinderung heutzutage immer weniger als „armer Haschl“ gesehen. Dort, wo uns früher vor allem Mitleid und traurige Blicke entgegengebracht wurden, findet man heutzutage immer öfter ehrliches Interesse und sogar eine Art Bewunderung, wie man selbst mit einer solchen Herausforderung zurechtkommt.

Auch Unternehmer ziehen aus dieser charakterlichen Stärke von vielen Menschen mit Behinderungen positive Schlüsse für den Alltag im Job. Eine Arbeitskraft mit Behinderung ist nämlich bei der Ausführung ihres Jobs ebenfalls nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen und findet auch auf schwierige Herausforderungen oftmals Lösungsansätze, die eine Arbeitskraft ohne Behinderung womöglich nicht gefunden hätte.

 

Im Vorstellungsgespräch

Eine Behinderung sollte auch in einem persönlichen Gespräch mit dem (hoffentlich) zukünftigen Arbeitgeber nicht unerwähnt bleiben. In vielen Fällen ist es dem Interviewpartner schlichtweg unangenehm, die Behinderung einer Jobanwerberin oder eines Jobanwerbers anzusprechen. Wenn sich der richtige Moment ergibt, sollte dieses Thema auf eine positive Art und Weise vom Betroffenen selbst angesprochen werden. Eine Behinderung ist keine Charakterschwäche und stellt auch keinen negativen Punkt in der Qualifikation eines Arbeitssuchenden dar. Vielmehr kann so darauf aufmerksam gemacht werden, dass man - trotz schwieriger Bedingungen - eine gute Ausbildung vorweisen kann, belastbar und motiviert ist und für Gleichberechtigung und Anerkennung in der Gesellschaft kämpft. Das sind doch schon drei positive Eigenschaften für ein Vorstellungsgespräch.

 

Dieser Artikel soll keinesfalls die durchaus schwierige Situation von Menschen mit Behinderung am Arbeitsmarkt schönreden. Es gibt viele Hindernisse von Arbeitssuchenden mit Behinderungen. Trotzdem bin ich der Meinung, dass eine Behinderung – egal ob körperlich oder mental – durchaus auch positiv eingesetzt werden kann. Am Ende des Tages zählt bei der Arbeitssuche immer noch die Qualifikation und der Charakter.

 

Ich habe diesen Artikel, wie immer, aus eigenen Erfahrungen und Erlebnissen verfasst: Am 1. August 2017 werde ich ein zweimonatiges Praktikum bei der internationalen NGO „Light for the World“ in Wien beginnen und freue mich auf diese Aufgabe!

 

Bei Fragen oder Anmerkungen:    schriefl.jakob@gmail.com

Nico Langmann im Interview

Nico Langmann, geboren am 17. März 1997, wurde im Jahr 1999 in einen Autounfall verwickelt, der bei ihm eine Querschnittlähmung zur Folge hatte. Früh entdeckte er den Tennissport für sich und war im Jahr 2016 Österreichs jüngster Teilnehmer bei den Sommer-Paralympics in Rio.

 

GleichSicht: Hast Du Erinnerungen an den folgenschweren Unfall?

Erinnerungen habe ich keine an den Unfall; ich war ja noch nicht mal ganz zwei Jahre alt. 

 

 

GleichSicht: Was kannst Du uns über Deine Kindheit erzählen? Mit welchen Problemen bist Du konfrontiert gewesen?

Also gleich nach dem Unfall war es in Österreich leider nicht möglich einen Rehabilitationsplatz zu bekommen. In Sachen Kinder-Rehabilitation ist Österreich heutzutage - 18 Jahre danach - ja noch immer ein Entwicklungsland. Deswegen sind meine Eltern mit mir nach Russland gegangen, wo wir die russische Rehab erfahren haben. Das war richtig hart. Die Devise war nicht barrierefrei, sondern überall so viele Barrieren wie möglich zu meistern lernen. Ich musste überall auch ohne Rollstuhl zurechtkommen, sogar bei mir zuhause war der Rollstuhl, bis ich 12 Jahre alt, war vor der Tür. Ich bin dem auch sehr dankbar, ich wurde wirklich absolut selbständig und bin schon sehr früh zu einem kleinen Athleten mutiert. 

 

 

GleichSicht: Wie bist Du ausgerechnet zum Tennisspielen gekommen?

Mein älterer Bruder und mein Vater haben oft und viel Tennis gespielt, irgendwann wollte ich dann auch mit und mit 8 oder 9 Jahren habe ich einfach zu meinem Vater gesagt: "So, jetzt gib mir mal den Schläger" und hab einfach losgelegt. Anfangs hab ich zwar nur jeden siebten Ball getroffen, aber es hat trotzdem schon enorm viel Spaß gemacht! Also bin ich dran geblieben und mittlerweile treffe ich auch schon mehr Bälle ;-) 

 

 

Gleichsicht: Auf welche Deiner Erfolge bist Du persönlich stolz?

Definitiv die Qualifikation für die Paralympics 2016! Hierbei ging es nämlich nicht "nur" um ein Ergebnis an einem Tag, sondern man musste über ein ganzes Jahr Spitzenleistungen erbringen, damit man in der Weltrangliste in die Top 40 der Welt kommt. Am Ende des Qualifikationsjahres war ich auf Platz 28, also ist mir das sogar wirklich gut gelungen. 

 

 

GleichSicht: Als Außenstehender wird man das Gefühl nicht los, dass die Paralympics einen medialen niedrigeren Stellenwert als die Olympischen Spiele haben. Wie ist Deine Meinung?

Ich war ja zum ersten Mal in Rio bei Paralympischen Spielen dabei, also hab ich wenig Vergleichswerte was die Vergangenheit betrifft, aber der Grundtenor war: Wahnsinn, wieviel besser und größer die Berichterstattung geworden ist. Dass noch viel Potential da ist, ist aber auch selbstverständlich, vor allem was Live-Übertragungen betrifft. Trotzdem finde ich den andauernden Vergleich Olympischen und Paralympischen Spielen etwas unpassend - es ist nun mal nicht dasselbe. Und das ist auch gut so, denn bei uns geht es nicht um reine Medaillenmaschinerie, es gibt immer auch einen zweiten Sinn hinter Behindertensport. Wir können mit wirklich guten und hart erarbeiteten Leistungen das Bild von Behinderten in der Gesellschaft ändern - sobald das auch alle Medien verstanden haben und sich dafür begeistern können, wird auch die Aufmerksamkeit noch größer, ich bin da zuversichtlich was die Zukunft betrifft. 

 

GleichSicht: Gibt es Trainingsunterschiede oder musst Du dieselben Leistungen wie ein Athlet der Olympischen Spiele abrufen?

Rollstuhl-Tennis ist eine der am weitesten entwickelten Behindertensportarten überhaupt und auch eine der am besten inkludiertesten. Zum Beispiel spielen wir zur selben Zeit und am gleichen Ort wie ein Roger Federer auch alle 4 Grand Slams; ansonsten gibt es auch viele kombinierte Turniere zusammen. Letztes Jahr habe ich in Rom am Platz neben Rafael Nadal mein Match gehabt. Das macht unsere Sportart schon sehr attraktiv. Deswegen ist die Konkurrenz wahnsinnig groß, noch dazu kommt, dass es bei uns keine Behindertenklassen gibt, der hohe Querschnittler spielt gegen den Unterschenkel-Amputierten. Wenn ich da nicht wie jeder andere Profi auch trainieren würde, hätte ich nie eine Chance. Aber genau das gibt mir viel Motivation und macht auch wirklich viel Spaß. 

 

GleichSicht: Der ÖZIV Burgenland setzt sich immer wieder für Barrierefreiheit ein und macht sich damit, freundlich gesagt, nicht nur Freunde. Es ist wohl kein Geheimnis, dass in Österreich noch Nachholbedarf herrscht. Welche Veränderungen würdest Du Dir wünschen?

 

Natürlich ist es ärgerlich, dass Österreich die zehnjährige Frist zur Barrierefreiheit des öffentlichen Raums, die ja schon Anfang 2016 abgelaufen ist, weitgehend verschlafen hat. Aber mich persönlich trifft das jetzt nicht schlimm, als Sportler hat man schon seine Tricks, wie man Barrieren überwindet, trotzdem muss hier so schnell wie möglich etwas passieren, weil nicht jeder in so einer guten Lage ist. Es geht ja hierbei nicht nur um Rollstuhlfahrer und Rampen, sondern viel eher um die Freiheit für alle Menschen mit Behinderungen. 

 

GleichSicht: Du lebst in der Bundeshauptstadt Wien. Ist Wien auch eine Weltstadt für behinderte Menschen oder gibt es noch Nachholbedarf in Sachen Barrierefreiheit?

 

In Wien gibt es natürlich noch sehr viele Baustellen, wenn es um Barrierefreiheit im Alltag geht. Wenn man zum Beispiel in der Innenstadt nach einer Toilette sucht, die nicht im Keller zu finden ist, muss man sich auf eine längere Reise gefasst machen. Aber es ist hier schon auch sehr viel passiert, auch was die öffentlichen Verkehrsmittel anbelangt. Dass das alles nicht von heute auf morgen geht ist auch verständlich. 

 

 

GleichSicht: Engagieren Sie sich in einem Behindertenverband?

 

Neben meiner Sportlichen Karriere ist leider zurzeit kein Platz für ein großes behindertenpolitisches Engagement, aber hin und wieder versuche ich doch zu diesbezüglichen Veranstaltungen zu gehen. Manchmal werde ich auch von Firmen oder Organisationen eingeladen, Vorträge über das Leben mit Behinderung zu halten, da ist es immer schön zu sehen, wie man das - meist von Medien vorgeprägte - Bild Behinderter schnell ändern und in ein sehr positives verändern kann. 

 

 

GleichSicht: Welche persönlichen und privaten Ziele möchtest Du noch erreichen?

 

Meine Ziele sind zurzeit alle im Sport gesetzt, das ist eben mein Lebensinhalt! Und obwohl es einfach ginge, hier zum Beispiel eine Weltranglistenposition zu nennen, habe ich keine so fix formulierten Ziele. Mein eigentliches Ziel, und das ist glaube ich noch viel schwerer zu erreichen, ist jeden einzelnen Tag ein besserer Spieler zu werden und bei jedem Training wirklich 1000% zu geben. Vielleicht kann man das ja auch als privates Ziel ansehen

Heinz Halwachs im Interview

Gleichsicht: Ist Ihre Behinderung die Folge eines Unfalls oder einer Erkrankung?

 

Heinz Haiwachs: Weder noch. Meine Behinderung wurde verursacht durch das Medikament Softenon — in Deutschland durch ein Pharmaunternehmen erzeugt und als Medikament Contergan genehmigt. Auch in Österreich wurde es als Beruhigungs- und Schmerzmittel zugelassen und meiner Mutter wurde es damals von ihrem ehemaligen Hausarzt empfohlen und verschrieben. Dadurch bildeten sich bei mir keine Arme und Hände aus und ich kam infolge ohne diese zur Welt.

 

Gleichsicht: Wie sind Sie in Ihrer Kindheit mit Ihrer Behinderung umgegangen bzw. wie ist Ihr Umfeld (Mitschüler, Freunde, Familie) damit umgegangen?

 

Heinz Halwachs: Nur meine frühe Kindheit unterschied sich von der Kindheit, die andere Kinder erlebten. Ich war kränklich und schwach. Meine Eltern versuchten in allen Belangen Unterstützung zu bekommen. Meine Mutter fuhr mit mir nach Deutschland — damals eine 2 Tage andauernde Reise — um für mich eine eventuell passende Armprothese, die ihr von dem Pharmaunternehmen und Ärzten versprochen wurde, zu bekommen. Die Entwicklung dieser Prothese war damals für mich eher beklemmend und hinderlich als dass sie mir genützt hätte.

Ich hatte in meiner Heimatgemeinde, in der ich jetzt noch lebe und mich sicher und wohl fühle, die ganze Bevölkerung hinter mir. Ich besuchte zwei Jahre die Volksschule in Loipersdorf. Viele meiner Mitschüler stritten sich darum, wer meine Schultasche tragen durfte. Geschrieben und gezeichnet habe ich von Anfang an immer mit meinen Füßen. Ich konnte von klein auf den Bleistift in meinen Zehen halten und führen.

Der Nachbarsbub und die Dorfjugend nahmen mich oft in ihre Mitte und ich konnte somit am jugendlichen Dorfleben teilhaben.

 

Gleichsicht: Wie kann man sich Ihren Schulbesuch vorstellen? Hatten Sie bestimmte Hilfsmittel oder Unterstützung im Unterricht?

 

Heinz Haiwachs: Ich hatte in der Schule einen speziellen Tisch, den man kippen und in der Höhe verstellen konnte, damit ich meine Füße als „Hände" gebrauchen konnte. Auch konnte ich mein Jausenbrot mit den Füßen halten und somit auch essen. Zur großen Pause kam immer meine Mutter, da wir in der Nähe der Schule wohnten, die mit mir aufs Klo ging. Und so war der Vormittag für mich kein Problem — ich war ja unter Freunden.

 

Gleichsicht: Mit welchen Problemen wurden und werden Sie in Ihrem Leben konfrontiert und wie meistern Sie diese?

 

Heinz Halwachs: In meinen „eigenen vier Wänden" lebe ich — glaube ich — wie jeder nichtbehinderte Mensch. Natürlich brauche ich ein spezielles WC und meine Küche besteht auch nur aus Unterkästen. Aber auch jeder „normale" Mensch — ob groß oder klein - lässt sich dies vom Tischler anpassen. Es gibt heutzutage viele Hilfsmittel, die sehr hilfreich sind, aber auch sehr viel Geld kosten.

Außerhalb meines privaten Bereichs ist es für mich schwieriger. Ich brauche Unterstützung, wenn ich auf die Toilette gehe oder wenn ich in Gesellschaft esse. Auch wenn ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahre, bin ich unsicher, da ich mich nicht mit Händen festhalten kann.

 

Gleichsicht: Nur schwer kann man sich vorstellen, den Alltag ohne Arme bewältigen zu können. Benötigen Sie Hilfe und welche Fähigkeiten haben Sie durch Ihre Behinderung erworben?

 

Heinz Halwachs: Wie schon gesagt, gibt es sehr gute Hilfsmittel, die man kaufen kann. Mein Vater hat mir aber schon als Kind eine Vorrichtung gebastelt — ich habe diese aber nur zu Hause — mit der ich meine Hosen aus- und anziehen kann. Tätigkeiten wie Zähne putzen, duschen, Tee kochen und kleine Speisen zubereiten kann ich mit den Füßen durchführen. Ich brauche wahrscheinlich zu allem länger als andere, aber ich kann dies zu Hause selbständig machen. Da mir Arme und Hände fehlen, habe ich von Kind auf einen Ersatz dafür gefunden und gelernt, mit meinen Füßen zu greifen, zu spielen und zu schreiben.

 

Gleichsicht: Wie sind Sie zum Malen gekommen und wer hat Sie hier unterstützt?

 

Heinz Halwachs: Der Anstoß kam von einem deutschen Ehepaar, das in Bad Tatzmannsdorf auf Kur war und von meiner Behinderung gehört hatte. Sie kontaktierten meine Mutter und erzählten ihr von einer Selbsthilfegruppe, der „Vereinigung der fuß- und mundmalenden Künstler“. Meine Mutter griff jeden Strohhalm auf, forschte weiter und wir kamen mit Hilfe mehrerer Institutionen und Personen zu dieser Vereinigung, bei der ich zuerst als Stipendiat aufgenommen wurde. Malunterricht bekam ich von Herrn Krutzler, der selbst akademischer Maler war und in der Nachbarortschaft Pinkafeld wohnte. Finanziell unterstützt wurde dies durch das Stipendium der „Vereinigung der fuß- und mundmalenden Künstler“ (VDMFK).

Ich wurde bald ein vollwertiges Mitglied dieser VDMFK, die das Reproduktionsrecht der Bilder der Künstlermitglieder hat. Dadurch bekommt jeder Künstler ein monatliches Honorar und die Vermarktung der Bilder ist durch Reproduktion der Verlage gewährleistet.

 

Gleichsicht: Was bedeutet Ihnen die Malerei und was sagen Ihre Bilder aus?

 

Heinz Halwachs: Ich komme aus einer Arbeiterfamilie. Ich habe viele Jahre, vor allem in den Anfängen meiner Malerei, für mich einen von Montag bis Freitag andauernden "Arbeitstag" gesehen — wie auch meine Freunde, Verwandten und Eltern jeden Tag in die Arbeit gegangen sind, habe ich mich zum Zeichenblock gesetzt und gemalt. Das Malen war und ist auch jetzt noch eine Aufgabe, die mir viel Freude bereitet. Oft sehe ich es jetzt auch noch als Beschäftigung und ‚Arbeitszeit". Aber viel mehr ist es seit langem schon auch ein Ausdruck meiner Stimmung, meines gesundheitlichen Zustandes, meiner Emotionen und Sehnsüchte. Ich glaube schon, dass viele meiner Bilder dies ausdrücken. Ich selbst kann es gar nicht so formulieren — doch sieht man die Bilder in Folge, erkennt man doch Unterschiede.

 

Gleichsicht: „Barrierefreiheit" und „Behindertengerecht" in öffentlichen Bereichen sind

Schlagworte, die man zurzeit oft hört — zumeist in Verbindung mit Mobilitätsbehinderungen. Nun stellt sich mir die Frage, wo liegen für Sie die Bereiche, wo Bedarf an Umrüstung besteht?

 

Heinz Halwachs: Im Gegensatz zu Menschen, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, habe ich ja zwei gesunde Beine. Erhöhte Randsteine und Stiegen sind für mich kein Problem. Auch leichtgehende Türen mache ich mit meiner Schulter auf — doch gibt es sehr häufig festgestellte, mit Türschließern ausgestattete Türen, die für mich sehr schwer bis oft gar nicht zu öffnen sind. Erleichtert wird das Öffnen durch Sensoren, die die Türen selbständig öffnen. Einrichtungen, wie z. B. Bankomaten bei Banken oder Bankomatzahlungen an den Kassen, sind für mich gar nicht möglich. Hier bin ich auf Barzahlung bzw. auf die Öffnungszeiten der Banken angewiesen.

 

Gleichsicht: Für Rollstuhlfahrer oder blinde Menschen gibt es Selbsthilfegruppen und ähnliches. Haben Sie Kontakt zu Menschen, die ebenfalls ohne Arme das Leben meistern?

 

Heinz Halwachs: Ich bin in zwei große Gruppen eingebettet.

Die eine ist eine Selbsthilfegruppe für Menschen, die durch Contergan körperlich behindert sind; die andere Gruppe ist die der fuß- und mundmalenden Künstler (VDMFK). Es leben nicht nur auf der ganzen Welt — und was ich nicht für möglich gehalten hätte — auch in Österreich so viele Menschen mit Behinderungen aller Art.

Bei der VDMFK sind weltweit Menschen, die das Leben ohne Arme und Hände bewältigen müssen und auch können. Diese finden die Erfüllung und finanzielle Unterstützung durch das Malen und durch die VDMFK.

Ich habe auch die Gruppe der Selbsthilfegruppe Contergan. Hier gibt es in Österreich eine Gemeinschaft, die sich jährlich mehrmals trifft, austauscht und Kontakt hält. Die Schädigungen durch das Medikament Thalidomid bzw. Contergan wurde in vielen Fällen erst sehr spät erkannt. Meine Mutter hatte sehr bald die Bestätigung, dass meine Behinderung durch dieses Medikament entstanden ist. Dadurch entwickelten sich auch Kontakte zu betroffenen Personen und Familien. Viele dieser Kontakte basieren noch auf meiner Schulzeit bzw. Kontakten, die meine Mutter knüpfte.

 

Gleichsicht: Sie haben Ihr Leben, ich nehme an wider aller Erwartungen, großartig gestaltet. Gibt es dennoch Wünsche für die Zukunft, die Sie sich noch erfüllen wollen?

 

Heinz Halwachs: Mein „Leben"— Wünsche, Erwartungen, Bewältigungen — lag anfangs und in erster Linie in den Händen meiner Mutter. Sie hat für mich so viel erreicht, das ich alleine nicht gemeistert hätte. Ich konnte aber bald doch beweisen, dass auch ich ein selbständig denkender und handelnder Mensch sein kann und mein Leben mitgestalten kann. Aber wer hat nicht Wünsche für die Zukunft? Natürlich auch ich.

Dankbar wäre ich für eine lange schmerzfreie Beweglichkeit meines Körpers und meiner Füße, auf die ich durch Massagen und Spaziergänge achte. Dankbar bin ich auch für ein harmonisches Familien- und Dorfleben, in dem ich mich durch meine Bilder ausdrücken kann und vielleicht vielen Menschen, die von verschiedenen Schicksalsschlägen betroffen sind, durch meine Lebensbewältigung Mut und Sinn geben kann.

 

Gleichsicht: Haben Sie ein Lebensmotto?

 

Heinz Halwachs: Hmm, Lebensmotto? Die Vergangenheit annehmen, akzeptieren und in die Zukunft schauen — was kann sie bringen, was kann ich dafür tun?

Großen Wert lege ich auch auf die Erwähnung der VDMFK und deren Verlage. Vielen Betroffenen gibt diese Vereinigung Mut, selbstbestimmtes Leben, finanziellen Rückhalt und Anerkennung. Informationen erhält man bei www.vdmfk.com sowie beim Verlag für Österreich unter www.mfka.at

Meine Mutter hat ihr Leben mit mir in einem Buch veröffentlicht. Dadurch hat sie viele ihrer Probleme, Ängste und Vorwürfe für sich selbst im Alter verarbeitet und niedergeschrieben. Dieses Buch ist unter dem Titel „Dieses Kind braucht dich umso mehr" im „Lex Lisztl2" Verlag erschienen und auch dort erhältlich www.lexliszt12.at

Norbert Hofer

Norbert Hofer, das „freundliche Gesicht“ der FPÖ, wurde am 2. März 1971 in Vorau (Steiermark) geboren, bekleidet seit 2013 das Amt des Dritten Nationalratspräsidenten und kandidierte 2016 für das Amt des Bundespräsidenten.

Da Norbert Hofer von 2007 bis 2013 im Präsidium des ÖZIV Burgenland war (stellvertretender Präsident), haben wir uns entschieden, dass wir einmal nachfragen, wie es „unserem“ Norbert heute so geht.

 

GleichSicht: Lieber Norbert, wie geht es Dir nach dem extrem langen Wahlkampf?

 

Norbert Hofer: Danke, mir geht es sehr gut. Dieser Wahlkampf war für alle Beteiligten eine Herausforderung und hat gezeigt, dass gerade auch ein Kandidat mit einer Behinderung dieser Herausforderung vollends gewachsen ist und seine Leistung erbringen kann.

 

GleichSicht: Viele unserer neuen Mitglieder werden überrascht sein, dass Du von 2007 bis 2013 stellvertretender ÖZIV Burgenland-Präsident warst. Warum hast Du damals gesagt, Du möchtest Dich mit dem ÖZIV für behinderte Menschen engagieren? 

 

Norbert Hofer: Behindertenpolitik ist seit langem ein Stiefkind der Bundesregierung. Behinderte Menschen haben kaum einen Rechtsanspruch und stehen als Bittsteller in unserer Gesellschaft da. Sei es, dass junge Menschen mit Behinderung mit einem Taschengeld in den Behindertenwerkstätten abgespeist werden, dass das Pflegegeld nicht valorisiert wird oder dass Inklusion in vielen Lebensbereichen de facto nicht umgesetzt wird, um ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

 

GleichSicht: Der ÖZIV Burgenland ist bekannt dafür, dass der die Dinge beim Namen anspricht. Natürlich sind wir auch immer wieder im Kreuzfeuer der Kritik, wenn wir uns für die Barrierefreiheit stark machen. Wie stehst Du zum Thema Barrierefreiheit?

 

Norbert Hofer: Jeder kann in die Situation kommen, wo er auf Barrierefreiheit angewiesen ist. Gerade der öffentliche Bereich hätte hier Vorbildwirkung, hinkt aber in der Umsetzung – wie das Beispiel Wien mit seiner selbstgenehmigten Verlängerung der Übergangsfristen zeigt – hinterher, während privaten Unternehmen hier ein weit höherer Druck auferlegt wird.

 

GleichSicht: Du hattest im Jahr 2003 einen folgenschweren Unfall. Die Diagnose: inkompletter Querschnitt. Was bedeutet das?

 

Norbert Hofer: Mein Leben hat sich von einem Tag auf den anderen komplett geändert. Die Diagnose lautete zuerst kompletter Querschnitt. Viele „Freunde“ waren plötzlich nicht mehr. Ich war über ein halbes Jahr lang in Kliniken und hatte viel Zeit zum Nachdenken. Nur durch eisernes Training und auch Glück kann ich heute wieder gehen.

 

GleichSicht: Du hast mehrere Bücher geschrieben, darunter auch „Behinderung und Pflegebedürftigkeit in Österreich. Ein Wegweiser“. Welche Akzente müssen unbedingt gesetzt werden, damit das Leben behinderter Menschen erleichtert wird? 

 

Norbert Hofer: Mein Buch ist aus dem Leben gegriffen und soll jenen Menschen Mut machen, die sich in einer scheinbar ausweglosen Situation sehen. Es ist aber auch ein praktischer Ratgeber für den Umgang mit behinderten und pflegebedürftigen Menschen.

Ganz wesentlich ist für mich die Valorisierung des Pflegegeldes, das seit seiner Einführung ein Drittel seines Wertes verloren hat, damit Pflege leistbar bleibt. Aber auch ein Rechtsanspruch auf persönliche Assistenz, die Rücknahme der Abschaffung der NoVA-Rückvergütung und die Umsetzung der Vorschläge des Rechnungshofes für eine echte Gesundheitsreform, um die Langzeitpflege zu finanzieren, sind dringend notwendig.

 

GleichSicht: Im Wahlkampf musstest Du immer wieder Beleidigungen über Dich ergehen lassen. Selbst der Bescheid, dass Du arbeitsunfähig bist, wurde veröffentlicht. Hast Du im Vorfeld damit gerechnet, dass Deine Behinderung zum Wahlkampfthema wird?

 

Norbert Hofer: Nein, damit habe ich nicht gerechnet. Für den Großteil der Menschen war das auch kein Thema. Jenen, die meine Behinderung verspottet (Widmung des „Krüppelliedes“) und als Wahlkampf-Gag hingestellt haben, bin ich auch gerichtlich entgegengetreten.

 

GleichSicht: Es ist wohl kein Geheimnis, dass behinderte Menschen immer wieder „gemobbt“ werden. Sei es in der Schule oder am Arbeitsplatz. Wie sollen Betroffene damit umgehen? 

 

Norbert Hofer: Mobbing ist nie zu tolerieren, trifft aber behinderte Menschen oft umso schwerer. Notwendig ist, dies bei Lehrern und Vorgesetzten offen anzusprechen. Es ist wichtig darauf aufmerksam zu machen, dass Menschen mit Behinderungen genauso leistungsfähig sein können und dass vor allem Kinder in den Schulen den Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigungen unbeschwert lernen können.

 

GleichSicht: In den Medien haben wir immer gelesen, dass Du das „freundliche Gesicht“ der FPÖ bist. Wir können bestätigen, dass Du auch dann freundlich bist, wenn keine Medien im Raum sind. Was regt Dich aber besonders auf? 

 

Norbert Hofer: In der Politik vermisse ich in letzter Zeit den Mut, Notwendiges auch umzusetzen.

 

GleichSicht: Welche privaten und beruflichen Ziele möchtest Du noch erreichen?

 

Norbert Hofer: Meine Arbeit macht mir große Freude, nicht zuletzt deshalb, weil ich mit vielen Menschen in Kontakt komme. Privat lerne ich gerade für eine Funker-Prüfung, um den Flugschein für Tragschrauber im Sommer zu machen.

 

GleichSicht: Kannst Du Dir ein Comeback beim ÖZIV Burgenland vorstellen?

 

Norbert Hofer: Natürlich - ich werde ja nicht ewig Politiker bleiben.

Gewinnspiel

Mit freundlicher Unterstützung von McDonald`s dürfen wir 2 Geburtstagsfeiern in der Filiale in Eisenstadt verlosen:

Gewinnt eine Kinderparty mit Betreuung für 7 Kinder, inklusive Partygebühr, 7 Happy Meals und ein Menü nach Wahl für eine Begleitperson!

Und so mach ihr mit:
Einfach eine E-Mail (office@oeziv-burgenland.at) oder einen Brief (ÖZIV Burgenland, Marktstraße 3, 7000 Eisenstadt) mit dem Kennwort „Feiern“ schicken und Name und Geburtsdatum angeben.

Unter allen Einsendungen, die uns bis 15. August 2017 erreichen, werden 2 glückliche Gewinner gezogen und umgehend informiert.

Teilnahme für Kinder bis 15 Jahren; weitere Informationen zur Party werden dem/der GewinnerIn bei Übergabe des Preises bekanntgegeben.

VIEL GLÜCK wünscht das Team des ÖZIV Burgenland.

Streckenmaut - Dr. Erwin Würrer informiert

Rechtliches und ein Erfahrungsbericht

Dass auf Österreichs Autobahnen und Schnellstraßen seit 1997 die Vignettenpflicht besteht, ist allgemein bekannt. Auch, dass das Sozialministeriumsservice auf Antrag mobilitätseingeschränkten Personen eine Vignette für ein Kraftfahrzeug zur Verfügung stellt.

Weniger bekannt dürfte sein, dass es Streckenmautabschnitte gibt, auf denen - trotz Vorhandenseins der Jahresvignette - eine Mautgebühr zu entrichten ist. Die ASFINAG bietet eine ermäßigte Mautjahreskarte für mobilitätseingeschränkte KFZ-Lenker an, die auf allen Streckenmautabschnitten (Ausnahme der A11 - Karawankentunnel) gilt. Eine Sonderregelung besteht auch für die A13 Brennerautobahn.

Kurze Information zu den einzelnen Streckenmautabschnitten:

A 9 Pyhrnautobahn Gleinalm und Bosruck Tunnel: Kosten für eine Einzelfahrt € 8,50

A 10 Tauernautobahn Katschberg Tunnel: Kosten für eine Einzelfahrt € 11,50

A 13 Brennerautobahn: Kosten für eine Einzelfahrt € 9,00

S 16 Arlbergschnellstraße: Kosten für eine Einzelfahrt € 9,50

Entgegen den jeweiligen unterschiedlichen Kosten für die Einzelfahrten beträgt der Preis für eine ermäßigte Mautjahreskarte nur € 7,00. Die Voraussetzungen für einen Antrag bei der jeweiligen Mautgesellschaft lauten wie folgt:

  • Vorlage eines Parkausweises gemäß §29b StVO
  • Ein Fahrzeug, das für den behindertengerechten Betrieb typisiert ist oder einen Eintrag der Einschränkung der Lenkerbefugnis im gültigen Führerschein
  • Nachweis der Zulassung des Fahrzeuges auf den Lenker mit Behinderung
  • Gültigkeit   n u r , wenn die berechtigte Person das KFZ selbst lenkt

Weitere Informationen bietet, neben den Autofahrerclubs ARBÖ und ÖAMTC, natürlich auch die ASFINAG (www.asfinag.at).

Meine letzte Fahrt über die A9 (Pyhrnautobahn) war eine Testfahrt. Nicht nur für mich selber, um eben eine ermäßigte Jahresmautkarte um € 7,00 zu erwerben, sondern auch für die ÖZIV-Mitglieder, um ihnen über den Ablauf und den Erwerb einer Mautkarte zu berichten. Eines vorweg: die Mitarbeiter der Mautstelle Gleinalmtunnel waren allesamt korrekt und hilfsbereit. Dass ich am Ende der ganzen Prozedur trotzdem keine ermäßigte Jahresmautkarte erhalten konnte, liegt ausschließlich in meiner Sphäre.

Bei Annäherung an die Mautstelle bleibt man in der Fahrspur, um dem Mautmitarbeiter seine Wünsche bzgl. einer Ermäßigung mitzuteilen. Da ich nur eingeschränkt gehfähig bin, wurde die zuständige Mitarbeiterin aus dem Büro gerufen. Inzwischen wurde ich gebeten, mein Fahrzeug in einer nicht befahrenen Nebenspur (lt. Anweisung des Personals) zu parken. Die gerufene Mitarbeiterin war in wenigen Augenblicken zur Stelle, um meinen Antrag entgegenzunehmen und die rechtlichen Voraussetzungen zu überprüfen. Zu dem Zeitpunkt war ich mir noch sehr sicher, alle Anspruchsvoraussetzungen zu erfüllen. Leider musste ich zur Kenntnis nehmen, dass mein Führerschein im Scheckkartenformat keinen Eintrag über die Einschränkung meiner Lenkerberechtigung auf ausschließlich Automatikgetriebe enthielt. Mein Ärger darüber war groß, zumal der Behörde bei der Umschreibung meines alten Führerscheines auf die Scheckkarte dieser Fehler passiert sein muss.

Super! Ich bin zwar jetzt im Besitz einer uneingeschränkten Lenkerberechtigung (mit der ich ohnedies nichts anfangen kann), eine ermäßigte Jahresmautkarte wurde mir jedoch wegen Fehlens einer der notwendigen Voraussetzungen verwehrt. Die Mitarbeiter der ASFINAG waren, wie gesagt, sehr höflich, aber auch sehr bestimmt und in meinem Fall auch absolut korrekt. Die Abwicklung des gesamten Vorganges kommt behinderten Menschen durchaus entgegen und würde bei Vorliegen aller Voraussetzungen wohl nur wenige Minuten gedauert haben.

Gute und sichere Fahrt!

Die komplette Ausgabe als Download:


Ausgabe Mai/Juni 2017 (pdf)


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  • Landeswappen Burgenland