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Aus unserer aktuellen Ausgabe


Vorwort des Präsidenten

Liebe Mitglieder des ÖZIV Burgenland,

Liebe Leserinnen und Leser,

 

Schon wieder neigt sich ein Jahr dem Ende zu. Es war - für den ÖZIV Burgenland - ein aufregendes Jahr, in dem unser Team viel für die Mitglieder erreichen konnte. Einerseits haben wir wieder unseren jüngsten Mitgliedern, den Kids der Rollinos -Truppe, ein paar schöne Tage schenken können, andererseits konnten wir auch Menschen helfen, wieder einen Sinn im Leben zu finden. Ja, eine Behinderung, die das Leben von einem auf den anderen Tag auf den Kopf stellt, kann schon sehr an unserer positiven Einstellung zehren. Doch wie viel Lebensfreude unsere Mitglieder haben, zeigen zum Beispiel die Jungs unserer E-Fußball-Mannschaft „Wild Wheels“, die auch im kommenden Jahr wohl den einen oder anderen Sieg einfahren werden.

 

Hoffen wir, dass auch die österreichische Bevölkerung, allen voran Menschen mit Behinderungen, im Jahr 2018 ein paar Siege einfahren werden. Noch sind die Regierungsverhandlungen im Gange; noch wissen wir nicht, welche Reformen geplant und umgesetzt werden. Wir sind zuversichtlich, dass die neue Regierung nicht auf jene vergisst, die besonders auf Hilfe angewiesen sind.

 

Im Zuge des Vorworts möchte ich mich auch noch bei unseren Mitgliedern bedanken, die mein Team und mich - im Zuge der Generalversammlung am 2. Dezember 2017 - mit 100 Prozent Zustimmung gewählt haben.

 

Der ÖZIV Burgenland wünscht seinen Mitgliedern, Funktionären, Freunden und Weggefährten ein schönes Weihnachtsfest und ein erfolgreiches Jahr 2018.

 

Herzlichst Ihr

Hans-Jürgen Groß

ÖZIV Burgenland – ein gelungener Jahresausklang

Mit über 100 Plätzen war der Saal des Kulturzentrum Neufeld gut gefüllt und die Mitglieder des ÖZIV Burgenland konnten samt Begleitungen eine tolle Weihnachtsfeier 2017 genießen. Besonders erfreulich war, dass so viele Kinder unserer Einladung gefolgt sind – sicher nicht zuletzt aufgrund der Prämierung der ausgestellten Bilder des Malwettbewerbs. Insgesamt 10 Werke waren ausgestellt und konnten bewundert werden. Das Glücksengerl Nadine hat dem 8jährigen Leon das wahrscheinlich schönste Weihnachtsgeschenk bereitet – sein Bild wurde per Ziehung vor Ort mit dem Hauptpreis ausgezeichnet. Sein Kommentar dazu: „Ich könnte vor Freude in die Luft fliegen!“ Mit freundlicher Unterstützung des Kinderhotels Felben darf er dort mit der ganzen Familie 2 Nächte verbringen. Natürlich haben alle Kunstwerke Preise erhalten – gesponsert von der Energie Burgenland, der Raiffeisenbank und der Wr. Städtischen. Dass sogar Pokale vergeben werden konnten, verdanken wir dem Landeshauptmann Stellvertreter Johann Tschürtz und passende Urkunden gabs vom ÖZIV Burgenland. Jedes anwesende Kind hat außerdem ein Weihnachtssackerl, befüllt vom „Christkind“ des ÖZIV Burgenland, erhalten. Mit dem Team der Kinderbetreuung haben unsere jungen Gäste gebastelt , gemalt und viel Spaß gehabt – Nadine, Dani, Celine und Max haben für die notwendige Unterstützung gesorgt und die Kinder bestens versorgt. Wie bereits im Vorjahr haben die Puppen des Bauchredners, Wolfgang von Siegendorf Izményi, den einen oder anderen Besucher der Weihnachtsfeier ganz schön aufs Korn genommen. Eine wunderbare Vorstellung, die für viel Lachen in Saal verantwortlich war. Für den einen oder anderen Schmunzler hat aber auch die Zaubershow von Peter Pudill gesorgt – wohl aber mehr für Erstaunen, als zum Beispiel ein €10-Schein in einer Zitrone wieder zum Vorschein kam. Das Team des Landessportzentrum VIVA hat sich um die Wünsche der Gäste gekümmert und die Betreuung der Haustechnik durch Frau Strametz hat den perfekten Ablauf der Feier abgerundet. Bei passender Hintergrundmusik von Michael Hoffmann („Zurück ins Leben“ – Song des ÖZIV Burgenland) durften wir alle einen wunderbaren Abend unter Gleichgesinnten verleben und treten das neue Jahr mit noch mehr Zusammenhalt und Kraft an!

Kindertreffen Rollinos

Am 23. Juli hat wieder ein Treffen der Kindergruppe Rollinos stattgefunden. Wie sich das so im Sommer gehört, haben wir uns einen Badetag am Neusiedler See ausgesucht. Nach Anfrage bei der Stadtfeuerwehr Rust durften wir dann mit einem tollen Zusatzprogramm aufwarten und wir haben kurzerhand einen Ganztagesausflug geplant.

Schon am Vormittag hat sich die angemeldete Gruppe (auf dem Boot sind ja nur begrenzt Plätze vorhanden) am Hafengelände in Rust getroffen. Die 60minütige Fahrt war ein wundervolles Erlebnis – und das nicht nur für die Kinder! „Kann man die Sirene einschalten, wie rettet ihr Menschen, wie schnell (Anm. der Redaktion: SEHR schnell!!) kann das Boot fahren?“, alle Fragen wurden beantwortet und alle Wünsche bestmöglich erfüllt – Begeisterung an allen Ecken und Enden.

Nach der rasanten Fahrt, ist die Abkühlung im Seebad Rust richtig gut angekommen. In der Sonne Karten spielen, im See planschen und die zutraulichen Enten bestaunen – damit aber nicht genug – unsere liebe Alex (Alexandra Kientzl, www.bewegsam.at) ist der Einladung ebenfalls gefolgt und hat sich mit ihrem SUP-Board (Stand Up Paddle Board) zu uns an den See gesellt. Gar nicht so einfach, wie es aussieht. Und wenn man nicht drauf steht, fährt man halt mit Alex sitzend eine Runde auf dem See und ganz nebenher macht man gleich Übungen fürs Gleichgewicht.

Ein Tag voller Aktion, Begeisterung, Spaß und Erholung – keine Zeit an Schule, Therapien oder Schwierigkeiten zu denken – so soll es sein!

 

Das eigentlich geplante Treffen im Süden war uns heuer nicht gegönnt – nachdem ein Termin im September buchstäblich ins Wasser gefallen ist, hat auch der Ersatztermin aufgrund der Temperaturen und der Dusche von oben nicht stattfinden können. Aufgeschoben jedoch nicht aufgehoben: wir werden die Kindererlebniswelt im Naturpark Markt Neuhodis im Frühjahr 2018 besuchen!

Vatertag im Family Park

Einen ganz besonderen Vatertag durften am Sonntag, 11. Juni über 30 Kinder und natürlich deren Begleitpersonen erleben. Bereits zum 2. Mal konnten wir mit freundlicher Unterstützung der FAMILYPARK M. Müller Ges.m.b.H einen wundervollen Nachmittag in Europas größtem Freizeitpark verbringen. Bei hervorragendem Wetter und jeder Menge guter Laune wurden die vielen neuen Attraktionen gleich ausprobiert – jede Menge Aktion und Spaß! Sogar der Präsident des ÖZIV Burgenland, Dipl. BWWU Hans-Jürgen Groß, MBA, ließ sich die Zugfahrt mit seinen jüngsten Mitgliedern nicht nehmen. Die glücklichen Gesichter der Kinder, das Lachen der Eltern und die unbeschwerten Stunden miteinander machen diese Angebote so wertvoll für uns und unsere Mitglieder. Ein kleiner Ausgleich zu den schweren Stunden, die Kinder mit Behinderungen und Angehörige erdulden müssen. Der ÖZIV Burgenland darf sich über stetig steigende Zahlen der Mitglieder bis 14 Jahren freuen und dieser Trend zeigt uns, dass wir eine gute Balance zwischen Unterstützung, Hilfe und Freizeitangeboten gefunden haben.

Ohne dementsprechende Unterstützung wären viele unserer Angebote nicht möglich, deshalb möchten wir uns im Namen der Mitglieder und des gesamten ÖZIV Burgenland ganz herzlich für die Mithilfe bei der Umsetzung unserer Pläne bedanken!

Mitglied des ÖZIV Burgenland

Frau Csaplovics ist seit Beginn 2016 Mitglied beim ÖZIV Burgenland – man möchte meinen, noch nicht allzu lange, jedoch war es eine turbulente Zeit mit ganz viel Veränderungen und Unterstützung. Die Hauptdiagnosen sind Morbus Bechterew und Psoriasis-Arthritis. Wir dürfen das Interview sehr persönlich „per Du“ führen, da sich nach so intensiver Zusammenarbeit schon ein sehr enges Verhältnis aufgebaut hat.

 

GleichSicht: Wie ich aufgrund unserer vielen Gespräche weiß, bist Du selbst im Bereich der Betreuung von behinderten Kindern tätig gewesen. Was hat Dir Deine Arbeit bedeutet?

Ich habe wirklich darum kämpfen müssen, diesen Job zu bekommen und war überglücklich mit Kindern mit den verschiedensten Behinderungen arbeiten zu dürfen. Die Lebenseinstellung der Kinder, nie aufgeben oder verzweifeln, hat mir so viel beigebracht – das hat mir in meiner Situation dann auch sehr geholfen. Ein Junge aus meiner Gruppe hat einmal zu mir gesagt: „Ich könnte jeden Tag sterben aber wenn es mir gut geht, möchte ich leben – das solltest du auch.“ Ich habe mich lange dagegen gewehrt, meine Arbeit aus gesundheitlichen Gründen aufzugeben, leider musste ich diesen Schritt dann doch tun – ich trauere dieser Zeit sehr nach!

 

GleichSicht: Kannst Du uns erzählen, wie Du vom ÖZIV Burgenland erfahren hast und aus welchem Grund Du Dich bei uns gemeldet hast?

Ich habe aus den Medien erfahren, dass es Euch gibt. Da habe ich einen Auftritt des Präsidenten mitverfolgt. Es hat mich aber niemand auf den Verein aufmerksam gemacht oder mich unterstützt. Ich habe schon jahrelang alleine gekämpft und wollte auch gar keine Hilfe, außer von meinen Eltern, annehmen. Jedoch war ich irgendwann am Ende meiner Kräfte und habe mich dann an den ÖZIV Burgenland erinnert.

 

GleichSicht: Dein Leben hat sich grundlegend verändert – welches war die größte Veränderung für Dich und wie gehst Du mit der neuen Situation um?

Die größte Veränderung war sicher die Beendigung meines Arbeitsverhältnisses (Anm. der Redaktion: sie ist derzeit befristet in I-Pension) und der starke Ausbruch der Krankheit bei meiner jüngeren Tochter. Sie hat diese leider vererbt bekommen. Aber das ist nicht das Ende der Welt! Ich denke, man muss mit dem IST-Zustand umgehen lernen und zurechtkommen. Der Beistand der Familie hilft dabei sehr und wenn man dann noch gute Unterstützung findet, hat man gewonnen.

 

 

GleichSicht: Hat sich an Deiner Einstellung zum Thema Behinderung etwas geändert?

Nicht wirklich. Ich bin schon als Kind sehr sozial und empathisch gewesen. Mir hat es nie an Toleranz und Einfühlungsvermögen gefehlt. Das einzige, das sich geändert hat, sind die eigenen Erfahrungen, die ich in Punkto Mobilität und dem Organisieren gemacht habe – ja wahrscheinlich kann ich jetzt noch besser nachvollziehen, wo die wirklichen Schwierigkeiten liegen.

 

GleichSicht: Was waren die größten Hürden, die Du bewältigen musstest? Wie hat Dich der ÖZIV Burgenland unterstützt?

Die größte Hürde war herauszufinden, was überhaupt mit mir los ist. Ich bin über 10 Jahre lang von einer Fehldiagnose zur anderen gekommen und wurde als psychisch krank bezeichnet. Die nächste Hürde war die Therapiefindung und dann mit dem Ausbruch der Krankheit bei meiner Tochter umzugehen. Der ÖZIV Burgenland hat mich bei Anträgen und Vertretungen vor den Behörden unterstützt, mir außerdem immer ein offenes Ohr geschenkt und mich sehr kompetent unterstützt. Ich habe mich als Mensch sehr wertvoll gefühlt und die Zusammenarbeit ist mittlerweile schon freundschaftlich. Alleine hätte ich das alles nicht bewältigen können.

 

GleichSicht: Du bist, trotz der vielen Schicksalsschläge, immer positiv und stark aufgetreten. Was würdest Du anderen Betroffenen mit auf den Weg geben?

Hilfe suchen und auch annehmen. Auch wenn es einem selber schlecht geht, anderen helfen – das baut auf. Immer auf die wichtigen Dinge konzentrieren und auf den Zusammenhalt von Familie und Freunden vertrauen. Nie aufgeben! Ich sag immer „auch eine Schnecke kommt ans Ziel!“

 

GleichSicht: Wie würdest Du erfahrungsgemäß die Situation von Menschen mit Behinderungen im Burgenland beschreiben?

Immer noch sehr schwierig. Wenn man nicht mehr arbeiten kann, bekommt man oft das Gefühl vermittelt, weniger wert zu sein. Unterstützungen - z.B. in Form von Förderungen - gibt es viel zu wenig. Es gibt immer noch, oft versteckt, Diskriminierungen. Ein Miteinander - das Alphatier geht hinten, um die Kranken und Schwachen nicht zurückzulassen!

 

GleichSicht: Was bedeutet Dir die Unterstützung des ÖZIV Burgenland?

Die Welt. Der ÖZIV Burgenland hat unser Leben verändert. Ich kann positiv in die Zukunft sehen und fühle mich nicht mehr allein. Ihr macht mehr für mich, als notwendig ist!

 

 

Erklärung der Redaktion: Der Morbus Bechterew ist eine chronisch-entzündliche rheumatische Erkrankung, die vor allem das aus Wirbelsäule und Becken bestehende Achsenskelett betrifft. Infolge der Erkrankung kommt es zu einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Versteifung der Wirbelsäule; es können allerdings auch Gelenke der Gliedmaßen, insbesondere die Hüft- und Kniegelenke, betroffen sein.

Die Psoriasis-Arthritis ist eine häufige Rheumaerkrankung, bei der es neben Veränderungen der Haut auch zu Entzündungen an Gelenken, Sehnen und der Wirbelsäule kommt.

Mc Donald`s Party – Runde 2

Am 4. Oktober haben sich angemeldete Mitglieder des ÖZIV Burgenland zum zweiten Mal in diesem Jahr (Anm. der Redaktion: 1. Party - siehe Ausgabe 01/2017) bei McDonald`s in Eisenstadt getroffen – die Kooperation mit Herrn Dr. Gahler macht‘s möglich.

Rund 20 Gäste durften sich über ein Gratisessen und einen Nachtisch freuen. Frau Franzi und ihr Team haben keine Wünsche offen gelassen. Im eigenen abgetrennten Bereich konnten Erfahrungen ausgetauscht werden und einige wertvolle Tipps wurden untereinander gegeben. Es kommt ja nicht allzu oft vor, dass sich so viele Menschen mit vergleichbaren Schicksalen in ungezwungener Atmosphäre treffen können.

Ob jung oder etwa erfahren, im Rollstuhl oder mit Krücken – wir haben uns köstlich unterhalten und eine nette Zeit miteinander verbracht. Eine gelungene Abwechslung zum Alltag und eine weitere Möglichkeit, unsere Mitglieder - neben den Beratungen - etwas besser kennenzulernen.

Wir freuen uns, dass die Kooperation mit McDonald`s Eisenstadt ohne Verzögerungen in die Verlängerung gegangen ist und wir auch im kommenden Jahr Gutscheine an unsere jungen Mitglieder verschenken dürfen und weitere Partys veranstalten können.

Licht ins Dunkel – mitten im Mai

Ein erhellendes Urteil zur Frage der Selbstversicherung pflegender Angehöriger

Mit einer Entscheidung vom Mai 2017 hat der Bundesverwaltungsgerichtshof zur Frage der Erheblichkeit der Beanspruchung der Arbeitskraft der Pflegeperson bei der Pflege naher Angehöriger Stellung genommen. Damit kommt tatsächlich Licht ins Dunkel bei dieser Frage und damit mehr Klarheit und Sicherheit - aber der Reihe nach.

Die rechtlichen Voraussetzungen:

Personen, die unter erheblicher Beanspruchung ihrer Arbeitskraft einen nahen Angehörigen (Lebensgefährten) oder eine nahe Angehörige (Lebensgefährtin) pflegen, können sich zu begünstigten Bedingungen in der Pensionsversicherung selbstversichern.

Neben der Pflege eines nahen Angehörigen (ab der Pflegestufe 3), sind auch die Pflege in häuslicher Umgebung und der Wohnsitz im Inland Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen. Des Weiteren ist wesentlich, dass diese Pflege unter erheblicher Beanspruchung der Arbeitskraft erfolgt. Wann man von erheblicher Beanspruchung spricht, war bislang relativ unklar und wurde immer wieder unterschiedlich entschieden.

Neben der Selbstversicherung für die Pflege eines nahen Angehörigen ist die Selbstversicherung für die Pflege eines behinderten Kindes ausgeschlossen.

Der versicherten Person erwachsen dabei keine Kosten. Die Beiträge werden zur Gänze aus Mitteln des Bundes getragen. Die Selbstversicherung bietet daher die Möglichkeit, dass kostenlose Versicherungszeiten erworben werden dürfen. Als monatliche Beitragsgrundlage gilt derzeit  ein Betrag von EUR 1.776,70. Diese Beitragsgrundlage wird der Beitragsgrundlage aus einer eventuell daneben vorliegenden Erwerbstätigkeit bis zur Höchstbeitragsgrundlage zugerechnet.

Der Fall:

Unser Mitglied bezieht Pflegestufe 4 und lebt mit seiner Lebensgefährtin in häuslicher Gemeinschaft im Burgenland. Seine Lebensgefährtin ist voll berufstätig, daneben pflegt sie unser Mitglied im notwendigen Ausmaß. Obwohl unser Mitglied nach einer Querschnittslähmung zu einer sehr selbstständigen Lebensführung im Stande ist, benötigt er in vielen Belangen des täglichen Lebens Pflege und Unterstützung durch seine Partnerin.

Der auf diesen Fakten beruhende Antrag auf Selbstversicherung in der Pensionsversicherung wurde von der Pensionsversicherungsanstalt abgewiesen. Neben einer Vollbeschäftigung der Lebensgefährtin sei ihre pflegerische Tätigkeit in erheblichem Ausmaß nicht möglich; eine wesentliche rechtliche Voraussetzung läge nicht vor.

Mit Hilfe des ÖZIV-Burgenland wurde der Fall zum Bundesverwaltungsgericht getragen. Das Ergebnis ist eine bemerkenswerte und für zukünftige Fälle hilfreiche Entscheidung.

Die Lösung:

Der Bundesverwaltungsgerichtshof hat zu der - mehr oder weniger - im Dunkel liegenden Frage der Erheblichkeit der Pflege eine erhellende Antwort gegeben. Nicht nur, dass das Gericht ausführt, dass eine Pflegetätigkeit neben einer Vollbeschäftigung durchaus möglich ist, legt dieses Urteil fest, dass bei mehr als 14 Stunden wöchentlich von „Erheblichkeit der Pflege“ auszugehen ist. Selbstverständlich sind Art, Umfang und Notwendigkeit der Pflege in jedem Einzelfall zu prüfen. Nichts desto trotz bietet diese gerichtliche Festlegung ab sofort ein gutes Instrument zur Beurteilung künftiger Anträge und Fälle.

Selbstverständlich steht der ÖZIV-Burgenland seinen Mitgliedern auch künftig bei der Beurteilung dieser Fragen mit Rat und Tat zur Seite.

Großer Dank für große Herzen

Zugunsten unserer Mitglieder haben sich einige Menschen was einfallen lassen:

So hat Familie Kugler (aus dem Haarstudio Sabine bekannt) mit Freunden bereits zur Weihnachtszeit 2016 eine Spendenaktion gestartet. Nach kurzer Absprache mit dem ÖZIV Burgenland war ein junges Mitglied gefunden, das in den Genuss kommen sollte. Das Therapiefahrrad des kleinen Max fand keine Finanzierung und konnte dank des tollen Engagements und der großzügigen Spenden ausbezahlt werden. Da hat sogar die Firma Kerkoc mit einem Nachlass unterstützt.

Auch heuer möchte Frau Sabine wieder etwas Gutes tun und eine weitere Spendenaktion ist geplant. Abermals kann sich ein Mitglied des ÖZIV Burgenland über das "Christkinderl" freuen! DANKE

 

Hilfsmittel, wie der Lateraltrainer für den 11 jährigen Cilian, sind sehr kostenintensiv und werden oft nicht gefördert oder finanziert. Schön dass es Menschen gibt, die sich tatkräftig einsetzten, wie Werner Hohl, Betreiber der Flanagans-BikerBar, der diese Spendenaktion möglich gemacht hat. Bei der Übergabe im Rahmen des Benefiz Biker Treffen hat Cilian die Gäste mit seinem Charme verzaubert. Prompt wurde er zu einer Tour eingeladen- harte Jungs und ihre Bikes - ein glückliches Mitglied des ÖZIV Burgenland sieht genauso aus!

 

Herr Koller - selbst langjähriges Mitglied beim ÖZIV Burgenland - hat sich im Büro gemeldet und angeboten, eine Krippe für eine Versteigerung zu bauen. In liebevoller Handarbeit ist ein wahres Kunstwerk entstanden. Im November wurde zur Versteigerung geladen und die täglichen Informationen über die Facebook Seite des ÖZIV Burgenland machten die Runde. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Der Erlös kommt einem Kind aus unserer Sektion Kinder und Jugendliche mit Behinderungen zugute! 

 

Das Team des ÖZIV Burgenland sagt DANKE für das unglaubliche Engagement, das große Vertrauen in unsere Arbeit und die Unterstützung für Menschen mit Behinderungen! 

 

Die Gipfel der Welt - Andreas Holzer

Andreas „Andy“ Holzer wurde am 3. September 1966 in Lienz (Osttirol) geboren. Er ist ein Extrembergsteiger, der bereits auf allen „Seven Summits“ (die höchsten Berge der sieben Kontinente) war. Als ich mit Andy telefonierte, unterhielten wir uns rund 40 Minuten über sein Leben und seine Expeditionen - er entführte mich in seine ganz besondere Welt, denn Andy Holzer ist blind. Er war der zweite blinde Mensch am Mount Everest und zudem der erste blinde Mensch, der für den Aufstieg die „Nordroute“ (China bzw. Tibet) wählte.

 

Lieber Andreas, Du leidest an der Netzhauterkrankung „Retinitis Pigmentosa“. Du bist also seit Deiner Geburt blind?

 

Ja. Retinitis Pigmentosa ist eine rezessive Erbkrankheit - sie kann, muss aber nicht ausbrechen. Meine Eltern, Groß- und auch Urgroßeltern waren zum Beispiel nicht betroffen. Auch meine Schwester leidet an der Retinitis Pigmentosa. Sie hat zwei nichtbetroffene Kinder, die aber Träger dieser Krankheit sind. Heute gibt es humangenetische Untersuchungen, sodass derartige und auch andere Genfehler schon im Vorfeld festgestellt werden können. Ich bin aber froh, dass meine Eltern diese Möglichkeit nicht gehabt haben, sonst wäre ich vielleicht heute gar nicht hier.

 

Wie haben die Lehrer reagiert? Wie sind Deine Klassenkameraden mit dem Thema umgegangen?

 

Meine Strategie, die ich heute noch verfolge, lautet: ich hänge meine Blindheit erst gar nicht an die große Glocke. Mir war klar, dass ich meine Mitschüler und Lehrer führen musste. Schlussendlich waren sie es, die damit zurechtkommen mussten. Mir war klar, dass sie meine Einschränkung sowieso nicht verstehen würden. Ich musste, und das mache ich auch heute noch, mich an die sehende Welt anpassen - nicht die sehende Welt muss sich an mich anpassen. Ich darf nicht erwarten, dass die Welt für mich barrierefrei wird, ich muss sie für mich barrierefrei machen!

 

Nach der Schule hast Du die Ausbildung zum Heilmasseur und Heilbademeister absolviert. Dein Traumberuf?

 

Zu meiner Zeit hat mir der Berufsberater gesagt, dass ich Bürstenbinder oder Korbflechter werden kann. Ich wollte aber Skispringer oder Hubschrauberpilot werden. Ich habe, damals war ich 14 Jahre alt, ja nicht verstanden, warum das nicht möglich sein soll. Mein Vater hat mir dann geholfen und mir den, für damalige Verhältnisse, ungewöhnlichen Beruf „Heilmasseur und Heilbademeister“ vorgeschlagen. Das ist ein idealer Beruf für blinde Menschen, den ich selbst 26 Jahre lang ausgeübt habe.

 

Du bist seit dem Jahr 2010 selbständiger Bergsteiger. Wie kam es dazu?

 

Vor meiner Selbständigkeit habe ich immer wieder Anfragen von Unternehmen bekommen, ich solle doch meine Geschichte erzählen. Das waren Führungskräfte und Manager, die mehr über meine „Lebensstrategie“ erfahren wollten. Irgendwann, ich war damals noch im Krankenhaus Lienz als Masseur beschäftigt, habe ich festgestellt, dass ich immer mehr Urlaubstage brauche, weil die Anfragen immer häufiger wurden. In weiterer Folge habe ich mich dann für die Selbständigkeit entschieden.

 

Warum faszinieren Dich gerade die Berge?

 

Das Bergsteigen hat mich schon seit meiner frühesten Kindheit fasziniert. Ich habe hier auch Vorteile gegenüber dem normalen Wandern, weil ich meine Hände nutzen kann. Ich weiß, wie die Berge aussehen, wenn ich sie besteige; ich kann nicht wie sehende Menschen aus dem Fenster schauen und die Berge bewundern, ich muss auf jeder Bergseite raufklettern und die Berge mit meinen Händen spüren. Das war auch früher so: Während Kinder vom Auto aus die Pferde bewundert haben, musste mein Vater stehenbleiben, sodass ich das Pferd berühren konnte, damit ich es „sehen“ kann.

 

Du warst der zweite blinde Mensch, der den Mount Everest bezwungen hast. Wann hast Du erstmals mit dem Gedanken gespielt, auf den höchsten Berg der Welt zu klettern?

 

Der Mount Everest war bis vor fünf Jahren noch uninteressant. Zu viele Leute, zu viel Müll, zu teuer. Ich vergleiche den Mount Everest gerne mit dem Lamborghini für Sehende. Auch hier wird man sagen, das brauche ich nicht. Warum? Weil es eine Art Selbstschutz ist: Sieht der Mensch keine Chance, dass er einen Lamborghini oder etwa eine Yacht bekommt, dann „braucht er es nicht“; werden ihm aber 500.000 Euro für einen Lamborghini zur Verfügung gestellt, so wird er wohl schon einmal Informationen einholen, welche Modelle es gibt. Je näher man einer Möglichkeit kommt, umso interessant wird sie - das ist menschlich. Bei mir war es ähnlich: Ich war erfolgreich, habe viele Vorträge gehalten und habe mir irgendwann einmal die Frage gestellt, warum nicht doch einmal auf den höchsten Berg der Welt klettern? Ich habe Informationen eingeholt und bin dann 2014 das erste Mal aufgebrochen, um den Berg an der Südseite (Nepal) zu besteigen. Das war nicht einfach - eine derartige Expedition dauert zwei Monate, kostet viel Geld und man braucht auch ein Team, das mit einem blinden Menschen hochklettert. Damals war sogar das deutsche Fernsehteam ARD dabei.

 

Du hast insgesamt drei Anläufe gebraucht. Warum mussten die Expedition in den Jahren 2014 und auch 2015 abgebrochen werden?

 

2014 kehrten wir nach drei Wochen um. Eine Eislawine hat in unmittelbarer Nähe 16 Menschen getötet.

Im Jahr 2015 bin ich wieder hingefahren. Wieder war mein Team, allen voran mein Freund Wolfgang Klocker, ein Heeresbergführer aus meiner Ortschaft, dabei. Auch Klemens Bichler, ebenfalls Heeresbergführer, war Teil des Teams. Beim zweiten Anlauf haben wir uns für die Nordseite (China bzw. Tibet) entschieden, weil ich die Berge von allen Seiten spüren und erleben muss, um sie mir auch vorstellen zu können. Die Nordseite ist richtig gefährlich. Hier gibt es keine Rettungskette, keinen Hubschrauber - wenn dir hier etwas passiert, dann gibt es keine Hilfe. Auf 6.400 Meter mussten wir neuerlich abbrechen, weil ein Erdbeben (Stärke 7,9) in unmittelbarer Nähe 9.000 Menschen in den Tod riss. Wir sind wieder heimgefahren - das Experiment war für mich abermals beendet.

 

2017 war es dann aber soweit...

 

... ja, ich muss aber gestehen, dass ich im Jahr 2016 gar nicht mehr an den Mount Everest gedacht habe. Ich war in der Antarktis, auf der Insel Madagaskar und habe im Iran meinen Kinofilm „Unter Blinden“ präsentiert. Ende September 2016 kam wieder mein Urantrieb für derartige Expeditionen auf - die Sehnsucht! Hinter meinen Projekten steckt nichts Wirtschaftliches oder Werbetechnisches; dahinter verbirgt sich nur die Sehnsucht! Ich habe also wieder meinen Freund und Partner Wolfgang Klocker angerufen, der dieselbe Sehnsucht verspürte. Im Frühjahr 2017 starteten wir die Expedition also zum dritten Mal. Nach drei Wochen kam die Mitteilung, dass mein Vater verstorben ist. Ich habe mit meiner Frau und meiner Mutter Kontakt aufgenommen; vor allem meine Mutter „drängte“ mich, diesen Berg endgültig zu bezwingen: „Geh Deinen Weg, der Dich an den höchsten Punkt der Welt bringt, zu Ende.“

Der Mount Everest ist so etwas wie der Übergang zwischen der Erde und dem Himmel. Für mich steht er auch in Verbindung mit dem Tod. Ob 2014, 2015 oder eben 2017 - ich kann jetzt sagen, dass man das Leben nur schätzen kann und auch versteht, wenn man sich mit seinem Ende befasst. Am Weg nach oben haben wir auch sechs oder sieben tote Kletterer gesehen, die jedoch von den Sherpas würdevoll „bestattet“ wurden - so liegen sie nicht mehr direkt am Weg, sondern auf der Seite. Ihre leblosen Körper sind mit Steinen umrahmt. Das mag verrückt klingen, aber wenn wir etwa auf dem Wiener Zentralfriedhof spazieren, dann befinden sich auch unter uns die Toten. Es geht immer darum, ob wir ihnen mit Würde begegnen oder nicht.

Am 21. Mai 2017, 7:20 Uhr, -26 Grad, kein Wind, Sonnenschein, habe ich - als zweiter blinder Mensch - den höchsten Berg der Welt betreten. Ich war zudem der erste blinde Mensch, der die Nordroute gewählt hat. Erik Weihenmayer, ein Amerikaner, war am 25. Mai 2001 der erste blinde Mensch am Mount Everest, wählte aber die Südseite. Es gibt aber keinen Konkurrenzkampf - der Everest ist groß genug für zwei blinde Kletterer.

 

Da du bereits auf allen Kontinenten warst und wirklich viele Länder dieser Erde bereist hast, stellt sich natürlich die Frage, wie fortschrittlich Du die heimischen Entwicklungen in Sachen Barrierefreiheit findest?

 

Barrierefrei ist es etwa bei den Danis (Stamm auf Papua Neuguinea). Das ist die älteste Kultur auf unserem Planeten. Sie leben praktisch noch in der Steinzeit. Auch bei den Massai in Afrika habe ich die größte Barrierefreiheit erlebt. Warum? Hier gibt es keine wirklichen Unterschiede zwischen den blinden und den sehenden Menschen. Besonders schwer ist es für mich in der „westlichen Welt“. Wenn ich in Wien oder Hamburg ein Hotelzimmer buche, dann sagt meine Frau, die mir im Zuge meiner Vorträge assistiert, „das ist jetzt wieder was für Dich“. Ich weiß dann schon, dass es sich um ein riesiges Hotelzimmer handelt, sodass ich mich gar nicht orientieren kann. Die Türstöcke sind extrem breit, sodass ich meine Hände unnatürlich weit ausstrecken muss. Die barrierefreien Hotelzimmer sind also für Rollstuhlfahrer geeignet. Für mich sind die Zimmer in Afrika, die extrem eng sind, barrierefrei. Die Eingangstüren gehen kaum auf, weil sich dahinter Kästen befinden, die Vorräume sind gerade einmal 60 cm breit. Hier kann ich mich viel besser orientieren.

Mein Lieblingsbeispiel ist auch der Flughafen München: Die Behindertentoiletten werden per Touchscreen bedient; das ist eine absolute Katastrophe für mich.

 

Ich weiß, dass es um die Barrierefreiheit in Deutschland und Österreich besonders schlecht bestellt ist, weil es hier eine künstlich geschaffene, teils unnatürliche Barrierefreiheit gibt. Die Barrierefreiheit wurde bei uns künstlich von Menschen geschaffen, die das nicht brauchen, aber glauben zu wissen, was die betroffenen Menschen benötigen!

 

Der Mount Everest ist wohl das größte Ziel eines jedes Bergsteigers. Andy Holzer hat aber nicht nur den Mount Everest bezwungen, sondern auch die sogenannten „Seven Summits“:

Afrika: Kilimandscharo - 5.895 Meter

Antarktis: Mount Vinson - 4.892 Meter

Asien: Mount Everest - 8.848 Meter

Australien/Ozeanien: Carstensz-Pyramide (4.884 Meter)

Europa: Elbrus - 5.642 Meter

Nordamerika: Denali (vormals: Mount McKinley) - 6.190 Meter

Südamerika: Aconcagua - 6.962 Meter

 

Neuer Behindertenanwalt Dr. Hansjörg Hofer im Interview

Dr. Hansjörg Hofer, geboren 1959 in Wien, ist seit Mai 2017 Österreichs Behindertenanwalt. Schon zuvor war er als Stellvertreter Erwin Buchingers (Anm.: früherer Behindertenanwalt) tätig. Dr. Hofer ist verheiratet. Er hat zwei Kinder.

 

GleichSicht: Wie wird man Behindertenanwalt?

 

Die Ausübung der Funktion des Behindertenanwalts erfordert nach den Bestimmungen des Bundesbehindertengesetzes die Bestellung durch den Sozialminister. Dem geht eine Bewerbung, ein Hearing vor Vertretern und Vertreterinnen des Österreichischen Behindertenrats, ein Bericht des Österreichischen Behindertenrats an den Bundesbehindertenbeirat und letztlich eine Entscheidung des Sozialministers voraus. Der gesamte Prozess ist im Gesetz detailliert geregelt und verläuft sehr transparent.

 

GleichSicht: Warum wollten Sie Behindertenanwalt werden?

 

Ich bin überzeugt, dass diese Funktion meine jahrzehntelange Tätigkeit im Bereich der Politik für Menschen mit Behinderung, meine genaue Kenntnis aller relevanten Akteure und nicht zuletzt meine eigenen Erfahrungen als selbst betroffener Mensch mit Behinderung optimal widerspiegelt.

 

GleichSicht: Mit welchen Problemen kann man sich an Sie wenden?

 

Meine Zuständigkeit erstreckt sich auf alle Angelegenheiten, in denen sich ein Mensch mit Behinderung im Geltungsbereich des Bundes-Behindertengleichstellungsgesetzes oder des Behinderteneinstellungsgesetzes diskriminiert fühlt. Vereinfacht dargestellt sind das Diskriminierungen im Zusammenhang mit Arbeitsverhältnissen und Diskriminierungen bei allen der Öffentlichkeit angebotenen Gütern und Dienstleistungen. Die Schwierigkeiten können beispielsweise im Bereich des Schulwesens, beim öffentlichen Verkehr, im täglichen Leben durch Barrieren baulicher, kommunikativer bzw. kognitiver Art, im Berufsleben oder in Verwaltungsverfahren auftreten.

 

GleichSicht: Das Sozialministerium Service (früher: Bundessozialamt) ist für viele behinderte Menschen die erste Anlaufstelle, wenn sie Fragen zum Thema Behinderung haben. Wie viele Menschen mit Behinderungen arbeiten im Sozialministerium Service (österreichweit) für behinderte Menschen?

 

Das kann ich nicht beantworten, derartige Daten liegen mir nicht vor.

 

GleichSicht: Wie zufrieden sind Sie mit der Barrierefreiheit in Österreich?

 

Seit 2006 – dem Inkrafttreten des Bundes-Behindertengleichstellungsgesetzes – ist viel geschehen, aber wir sind noch weit von umfassender Barrierefreiheit entfernt. Ganz besonders die sozialen Barrieren, die sich durch Vorurteile und Stereotypen in den Köpfen der Menschen äußern, gilt es abzubauen. Dazu braucht es intensive Bewusstseinsbildung durch gute Beispiele.

 

GleichSicht: Sie waren bereits Erwin Buchingers (Anm.: Behindertenanwalt von 2009 bis 2017) Stellvertreter. Würden Sie sagen, dass Sie dieselben Aufgaben übernommen haben und das Amt genauso ausführen werden oder planen Sie Veränderungen?

 

Die Aufgaben sind unverändert geblieben, da sie ja vom Gesetz vorgegeben sind. Ich bin bestrebt, noch stärker die Öffentlichkeit für die Rechte der Menschen mit Behinderung zu interessieren und habe vor, in enger Zusammenarbeit mit den Interessenvertretungen der Menschen mit Behinderung vorzugehen. Gemeinsam lassen sich wichtige Anliegen besser und effektiver voranbringen.

 

GleichSicht: Nur selten gibt es von Seiten des Behindertenanwaltes Presseaussendungen oder Erklärungen zur österreichischen Behindertenpolitik. Vielmehr sind es die Organisationen wie der ÖZIV, die Missstände aufzeigen und mitunter auch einmal einen schärferen Ton an den Tag legen. Haben sich die bisherigen Behindertenanwälte absichtlich aus der Politik rausgehalten oder werden derartige Meldungen nicht von der Presse veröffentlicht?

 

In den 5 Monaten seit meiner Bestellung habe ich neben zahlreichen Interviews in unterschiedlichen Medien 1 Pressekonferenz abgehalten und 2 Presseaussendungen veröffentlicht.

 

GleichSicht: Im Oktober wird ein neues Parlament gewählt. Was wünschen Sie sich von der neuen Bundesregierung? (Anm.: das Interview wurde vor der Nationalratswahl geführt)

 

Meine Forderungen an die neue Bundesregierung habe ich gemeinsam mit dem Präsidenten des Österreichischen Behindertenrats bereits der Öffentlichkeit vorgestellt. In kurzen Worten: „Inklusion in allen Lebensbereichen auf der Basis der UN-Behindertenrechtskonvention!“

 

GleichSicht: Erwin Buchinger hat als Behindertenanwalt die letzten Weihnachtsfeiern des ÖZIV Burgenland besucht. Dürfen wir uns auf Ihren Besuch freuen?

 

Sehr gerne werde ich an der Weihnachtsfeier des ÖZIV Burgenland teilnehmen.

Unterstützung bis zum Schluss

Wer denkt, dass unsere Arbeit mit dem Stellen diverser Anträge erledigt ist, hat sich getäuscht. Leider kommt es nur allzu oft vor, dass die Ergebnisse nicht entsprechen und wir in Form von Beschwerden oder Klagen weiter tätig werden müssen.

In den meisten Fällen bleiben uns für das Einreichen von Beschwerden 6 Wochen Zeit, für das Einbringen von Klagen, die dann vor Gericht verhandelt werden, sind es 3 Monate. Die jeweiligen Rechtsmittelbelehrungen finden sich auf den jeweiligen Bescheiden.

Eine kleine Anmerkung hier: Klagen gegen die Pensionsversicherungsanstalt hinsichtlich Pensionsverfahren werden von der Arbeiterkammer geführt.

 

Einer unserer größten Erfolge in diesem Jahr war sicher die positive Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts im beschriebenen Fall. Im Verfahren ging es darum, dass die PVA die Selbstversicherung der Klientin in der Pensionsversicherung für die Pflege ihres Lebensgefährten mit Hinweis auf ihre Vollzeit-Berufstätigkeit nicht zuerkennen wollte. Mit Unterstützung durch den ÖZIV Burgenland legte die Frau daraufhin Beschwerde gegen den Bescheid der PVA ein – und bekam schlussendlich das Recht auf Selbstversicherung vom Bundesverwaltungsgericht zuerkannt. Das Urteil zeigt, dass es Sinn machen kann, Behördenbescheide zu bekämpfen – insbesondere, wenn es dazu noch keine höchstgerichtliche Judikatur gibt.

 

Zu einem unserer langatmigeren Fälle zählte in diesem Jahr sicher der des Herrn H., der aufgrund seiner Behinderung ein befristetes Pflegegeld zuerkannt bekommen hat. Noch vor dem Termin der Wiederbegutachtung haben wir einen Erhöhungsantrag gestellt, da sich der Zustand unseres Klienten weiter verschlechtert hatte. Kurioserweise stützte sich die Ablehnung unseres Antrags auf das Weglassen notwendiger Hilfsmittel. Das haben wir natürlich so nicht stehen lassen und die Klage auch gewonnen – ein dankbarer Klient, ein gutes Gefühl.

 

Wie es der Zufall so will, konnten wir auch einem weiteren Herrn H. zu einer entsprechend höheren Pflegestufe verhelfen. Nach seinem Schlaganfall hat sich die Familie an unser Büro gewandt und um Unterstützung gebeten. Nachdem alle „leichten“ Anträge, wie Behindertenpass plus Zusatzeintragungen, zu unserer Zufriedenheit bearbeitet wurden, war dies beim Bescheid zum zuerkannten Pflegegeld nicht so. Der Bedarf der dauernden Anwesenheit einer Pflegeperson wurde eingeklagt und im Verfahren auch zuerkannt.

Beschweren – aber richtig

In der Regel kommen alle Bescheide zu Anträgen, die wir über das Büro des ÖZIV Burgenland stellen, auch zu uns ins Büro. Hier wird alles in den jeweiligen Klientenakten abgelegt und im Original weiterversandt. Dies gewährleistet uns einen aktuellen Status und ein schnelles „Eingreifen“ – es gilt Fristen zu beachten!

Die meisten Beschwerden gehen auf Ablehnungen zurück, die den Behindertenpass betreffen. So passiert bei Herrn G., für den wir aufgrund seiner degenerativen Erkrankung die Zusatzeintragung „Unzumutbarkeit der Benützung öffentlicher Verkehrsmittel“ beantragt haben. Mit einem ablehnenden Bescheid hat hier sicher niemand gerechnet. Eine fristgerechte Beschwerde wurde in diesem Fall recht rasch behandelt und in einer Beschwerdevorentscheidung zugunsten unseres Mitglieds entschieden.

 

Werden Beschwerden nicht mittels der genannten Beschwerdevorentscheidung abgehandelt, landen diese beim Bundesverwaltungsgericht der Republik Österreich. Die Dauer des jeweiligen Verfahren kann sich dann in die Länge ziehen, was das Ergebnis jedoch weder positiv noch negativ beeinflusst.

 

Im Fall von Herrn A. ist die Beschwerde bereits in der Beschwerdevorentscheidung abgewiesen worden. Wir haben von unserem Recht Gebrauch gemacht, den Antrag zu stellen, dass die Beschwerde dennoch dem Bundesverwaltungsgericht zur Entscheidung vorgelegt wird (Vorlageantrag). Mit diesem Beschluss wurde der angefochtene Bescheid aufgehoben und der gestellte Antrag zur Erlassung eines Entscheides an das Sozialministeriumservice zurückverwiesen. Herr A. ist nun im Besitz der notwendigen Zusatzeintragungen und des Parkausweises §29b.

 

Für Herrn Z., dem (bzw. dem Arbeitgeber) nach einem Jobwechsel kein Lohnkostenzuschuss mehr zuerkannt wurde, haben wir miteinander eine Beschwerde eingebracht. Die sogenannte Entgeltbeihilfe kann bei Beschäftigung begünstigter Behinderter zum Ausgleich von behinderungsbedingten Leistungseinschränkungen gewährt werden. Voraussetzung ist eine Leistungsminderung. In der eingebrachten Beschwerde konnten wir die Umstände glaubhaft darlegen und haben in einer Beschwerdevorentscheidung ein positives Ergebnis erhalten.

Forderung nach einem selbstbestimmten Leben

Jakob Schriefl -

Persönliche Assistenz bedeutet Selbstständigkeit. Persönliche Assistenz bedeutet Unabhängigkeit. Persönliche Assistenz bedeutet die Aussicht auf eine Zukunft, in der Menschen mit Behinderungen ein gleichberechtigtes, erfülltes Leben führen können.

Doch leider wird das System der Persönlichen Assistenz durch Bürokratie, Föderalismus und Einsparmaßnahmen künstlich in den Kinderschuhen gehalten. Eine vertane Chance.

 

Die Schätzungen über die Arbeitslosigkeit unter Menschen mit Behinderungen gehen weit auseinander. Sie bewegen sich meistens zwischen 30 % - 50 %. Sehr viele Menschen mit Behinderungen sind in Österreich also arbeitslos.

Dies liegt meiner Ansicht nach nicht daran, dass Arbeitgeber Menschen mit Behinderungen absichtlich diskriminieren. Viele Unternehmen mit einem Standort in Österreich sind von der Einstellung einer Person mit Behinderung grundsätzlich keinesfalls abgeneigt. Oft wird Diversität im Unternehmensalltag als durchaus positiv bewertet (siehe dazu meinen letzten Artikel).

Die Gründe für diese erschreckend hohe Anzahl an arbeitslosen Menschen sind ein oftmals niedrigeres Bildungsniveau und die mangelnde Flexibilität von Menschen mit Behinderungen. Doch behinderte Menschen sind weder dumm noch faul oder stur. Sie sind genau so wissbegierig, motiviert und aufgeschlossen wie andere potentielle Arbeitnehmer. Doch nur mit den entsprechenden Voraussetzungen können diese Charaktereigenschaften auch bewiesen werden.

 

Mit einem Ausbau der Persönlichen Assistenz im Bereich der Ausbildung und am Arbeitsplatz ließe sich die Zahl von erwerbstätigen Menschen mit Behinderungen regelrecht in die Höhe katapultieren. Es muss endlich eingesehen werden, dass es sich hierbei um eine Investition von Seiten des Staates handelt, die drei deutlich spürbare, positive Effekte nach sich ziehen würde.

 

  1. die Schaffung vieler neuer Arbeitsplätze im Sozialbereich, da mehr Persönliche Assistenten gebraucht werden würden
  2. die drastische Reduzierung der Arbeitslosenquote unter Menschen mit Behinderung
  3. resultierend aus Punkt 2 à die Verringerung der staatlichen Ausgaben im Bereich der Mindestsicherung bzw. des Arbeitslosengeldes; Steuereinnahmen durch Löhne und Gehälter von Menschen mit Behinderungen

 

Aus meiner ganz persönlichen Erfahrung kann ich berichten, dass die derzeitige Situation im Bezug auf Persönliche Assistenz eine regelrechte Zumutung ist. Ja, es gibt funktionierende Systeme. Ja, der Staat nimmt auch jetzt schon viel Geld in die Hand, um Menschen mit Behinderung den Zugang zu Bildung bzw. dem Arbeitsmarkt zu erleichtern. Es wurden jedoch noch immer keine konkreten Regelungen (bzw. Gesetze) geschaffen, die einem behinderten Menschen eine ausreichende Stundenanzahl mit einem Persönlichen Assistenten garantieren. Als Antragsteller wird man noch immer als „Sozialschmarotzer“ behandelt, der den Staat betrügen will. Und noch immer werden „Good Will“-Entscheidungen getroffen, in denen die zuständigen Bearbeiter nahezu frei über die gewährte Stundenanzahl entscheiden können. Dies führt in den meisten Fällen dazu, dass die beantragte Stundenanzahl mit aller Kraft auf das absolute Minimum reduziert wird. Dieser Zustand ist absolut untragbar.

 

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Persönliche Assistenz in der Freizeit. Anders als beim oben genannten Beispiel geht es hierbei nicht um eine Unterstützung im Berufsalltag oder während einer Ausbildung. Die Persönliche Assistenz in der Freizeit soll bei der aktiven Teilnahme an der Gesellschaft und zu einem selbstbestimmten Leben im Alltag beitragen.

 

Die Persönliche Assistenz in der Freizeit wird in Österreich nicht vom Bund, sondern ausschließlich von den einzelnen Bundesländern bearbeitet. Dies führt österreichweit zu neun verschiedenen Regelungen, bei denen die üblicherweise gewährte Stundenanzahl in Extremfällen um mehrere hundert Stunden voneinander abweicht. Im Burgenland liegen wir mit einer derzeitigen Maximalanzahl von 40 Stunden pro Monat österreichweit beinahe an letzter Stelle. In Wien werden beispielsweise bis zu 300 Stunden pro Monat gewährt.

Die Verantwortlichen im Burgenland versuchen stets, Anträge auf Freizeitassistenz in die Schiene der Pflege umzuleiten. Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich festhalten, dass zwischen Assistenz in der Freizeit und Pflege ein großer Unterschied besteht. Es geht bei der Freizeitassistenz nicht um medizinische Tätigkeiten, den Beistand während einer Rehabilitation oder Ähnliches. Es geht schlicht und einfach um Unterstützungen im ganz normalen Alltag und bei sozialen Aktivitäten. Die Bereitstellung zusätzlicher finanzieller Mittel für die Freizeitassistenz im Burgenland wäre ein großer Beitrag. Dieser würde es Menschen mit Behinderungen beispielsweise erleichtern, an Vereinsaktivitäten teilzunehmen, Freundschaften und Beziehungen zu bilden sowie ein Netzwerk für die berufliche Zukunft aufzubauen.

 

Zusammengefasst lässt sich sagen: Durch die derzeitige Behindertenpolitik geht unglaubliches Potential verloren. Menschen mit Behinderungen haben hohe Ziele, besitzen viele Talente und die Fähigkeit, zur positiven Entwicklung unserer Gesellschaft beizutragen. Dies kann jedoch nur mit den entsprechenden Voraussetzungen geschehen.

 

Wir Betroffenen dürfen daher nicht verstummen. Nur durch die aktive Teilnahme an der Diskussion, kann etwas bewegt und verändert werden. Bleiben wir laut, bestimmt und fordern wir auch weiterhin unsere Rechte ein!

 

Hiermit appeliere ich an die Bundes- und Landespolitik zur Schaffung einheitlicher, fairer

Rahmenbedingungen und die Weiterentwicklung der Persönlichen Assistenz, vor allem im Bereich der Ausbildung und der Freizeit. Geben Sie uns die Möglichkeit, ein selbstständiges, gleichberechtigtes Leben zu führen! Wir zählen auf sie!

 

 

Bitte senden Sie mir persönliche Erfahrungsberichte zu diesem Thema an: schriefl.jakob@gmail.com

4. Otto Bock Cup – ein Report von Michael Streit

Beim diesjährigen Otto Bock Cup startete das Team „Wild Wheels“ in der höheren Superliga und mit bereits 8 aktiven Spielern. Für das Team spielten Jakob Schriefl, Matthäus Szalay, Thomas Feige, Michael Streit, Martin Beljadziiski und Michael Hagleitner. Da es aus Linz und Wien Spieler gab, die ebenso Anfänger sind, aber zu wenig für ein Team waen, wurden unsere Nachwuchsspieler, die Brüder Moritz und Henri Ziegner, nach Absprache mit dem ÖBSV, für das temporär gegründete Team „Austrian Allstars“ „verliehen“.

Am Freitag musste sich unser Team „Wild Wheels“ gegen das aus Deutschland kommende Team „Power Lions“ vom SV Motor Mickten Dresden e.V. nach 2x15 Minuten mit 0:2 geschlagen geben. Nicht minder motiviert stellten wir uns am Freitag am Spielfeld dem Team „Steelchairs Linz“. „Dieses Spiel war für uns sehr wichtig“, erklärte „Wild Wheels“-Teamkapitän Michael Streit, „bisher haben wir gegen das befreundete Team immer verloren“. Dieses Spiel ging unentschieden aus und unser Team konnte so den ersten Punkt in diesem Turnier ergattern. Das zweite Spiel an diesem Tag wurde mit 1:6 gegen die „Thunder E-agles“ aus Wien verloren. „Wir haben zwar verloren, doch auf das eine Tor gegen Wien sind wir sehr stolz“, so Streit. Am Sonntag stellte sich das Team noch dem Turnierfavoriten, den „Knights“ vom Barmstedter MTV von 1864 e.V. (Deutschland). Der Favorit gewann mit 2:0. „Man lernt nur von starken Gegnern. Wir konnten an diesen Tagen sehr viel lernen und werden natürlich wieder antreten“, so Streit.

Doch wie erging es nun den Nachwuchsspielern Moritz und Henri, die ja – wie erwähnt – mit anderen Jungs ein Team bildeten? Am Samstag stellte sich das Team unserer Nachwuchstalenten den „Power Cats“ vom SV Motor Mickten Dresden e.V. (Deutschland). Zum allerersten Mal einem richtigen Match gegen unbekannte Gegner. Interessiert und neugierig hat natürlich unser Team das Match beobachtet und unsere Jungs ordentlich angefeuert. Moritz, der ältere der beiden Brüder, wurde hauptsächlich als Verteidiger und Tormann eingesetzt und erledigte seine „Aufgabe“ perfekt. Henri hingegen übernahm in kürzester Zeit das Kommando als Stürmer und kämpfte sich durch. Dieses erste Spiel ging nach 2x 15 Minuten Spielzeit 1:1 aus. Das nächste Match gegen das Wiener ASKÖ Team „Red E-agles“ wurde ebenso mit 1:1 beendet. Das letzte Spiel an diesem ereignisreichen Samstag, gegen das Wiener ASKÖ Team „Danube-Eagles“,  konnten die „All-Stars“ mit 3:2 gewinnen. Henri Ziegner schoss alle Tore, insgesamt 5 an der Zahl. Für einen „Frischling“ eine erstaunlich gute Leistung. „Henri spielt sehr emotional“, stellten die Trainer Michael, Hannes, Jakob und Jasmin von den „Wild Wheels“ fest. „Er behält den Überblick und weiß, wo er seine Mitspieler gut einsetzen kann.“ Moritz hingegen blieb ruhig, konnte fast alle Bälle abwehren. Ein Vorbeikommen war schier unmöglich für die Gegner. Am Sonntag musste sich das Team leider mit 0:3 gegen die „Red E-agles“ geschlagen geben. Im Gesamtergebnis ergab das Platz 3 für das Team „Austrian Allstars“, zusammengestellt an einem Tag aus Spielern verschiedener Teams. Verdient gewann Henri Ziegner den Pokal „Most valuable Player“; sein Bruder erhielt den Pokal für den „besten Tormann“. Henri wurde sogar vom Nationalteamtrainer Leonard Vasile gelobt, der ebenso großes Potential sieht.

Im Jahr 2014 nahmen 4 Teams, im Jahr 2015 5 Teams, im Jahr 2016 schon 7 Teams teil. Bei der vierten Auflage des renommierten Turniers ottobock.CUP vom 24. bis 26. November 2017 in Wien traten sogar 9 Teams (3 aus Deutschland, 6 aus Österreich) gegeneinander an.

Noch nie gab es in Österreich so ein großes Turnier. In Summe = 22 Spiele! Alle Infos unter www.erollifussball.at

Die erste österreichische Liga im E-Rollstuhl Fußball

Am 1. April 2017 war der Auftakt zur ersten Österreichischen Liga im E-Rollstuhl Fußball. In vier Stunden wurden in der Wiener Stadthalle Freundschaftsspiele ausgetragen. Richtig ernst wurde es dann erstmals am 27. Mai 2017. Das Team „Wild Wheels“ trat in der ersten Liga gegen die Steelchairs Linz an und konnte auch das erste Tor erzielen. Trotz hartem Kampf mussten wir uns nach dem Spielende mit 1:2 geschlagen geben. Das zweite Spiel  forderte dem Team alles ab. Unser Gegner vom ASKÖ Wien, die Thunder E-agles, waren verdammt stark. Auch hier mussten wir uns schlussendlich geschlagen geben und rückten mit 0:8 vom Spielfeld ab. In Anbetracht dessen, dass wir das jüngste Team waren und das Wiener Team mit Sportrollstühlen ausgestattet ist, war Teamkapitän Michael Streit dennoch zufrieden.

 

Am 14. Oktober 2017 veranstaltete der ÖZIV Burgenland - gemeinsam mit dem Team Wild Wheels - im Landessportzentrum VIVA in Steinbrunn den zweiten und finalen Ligaspieltag. Hauptsächlich konnten wir an diesem Tag mit einer sehr gelungenen Veranstaltung punkten, das Spiel um den Vize-Österreichmeistertitel gegen die Steelchairs vom RSC Heindl Oberösterreich verloren wir mit 0:3. Nach diesem Spiel und Ergebnis war das Team leicht frustriert, doch mit vollem Elan traten wir dann noch gegen die Wiener an. Auch dieses Mal konnten die Wiener gewohnheitsmäßig das Spiel für sich entscheiden. Wie schon am ersten Spieltag in Linz hat das Team Wild Wheels 0:8 gegen die Thunder E-agles verloren. 

 

Trotz der beiden Niederlagen war es ein sehr gelungener Tag. Beim E-Rollstuhl Fußball ist es etwas anders als beim normalen Fußball. Hier spielt man nicht nur gegen- sondern auch miteinander. „Mir persönlich war wichtig, dass die Veranstaltung gelungen ist“, sagte Michael Streit und ergänzte: „Viele Stunden an Organisation wurden investiert und haben sich sehr gelohnt“. Alle waren zufrieden, es gab nur positives Feedback zur Organisation. „Geschafft habe ich es nur mit Hilfe unseres Büros. Mein Dank gilt Tamara Tometich und Birgit Ebner“, so Michael Streit. Aber auch die Kooperation mit dem Landessportzentrum VIVA war sehr wichtig und funktionierte tadellos. Ganz besonders hervorzuheben war die Kooperation mit dem Samariterbund, der mit zwei Mann und einem Einsatzfahrzeug den ganzen Tag vor Ort war. Es gab keine verletzten Spieler, nur einen überlasteten Teamkapitän, bei dem das Adrenalin nachließ. „Die Sicherheit war und ist uns sehr wichtig“, sagt Michael Streit.

Unser Team Wild Wheels trainiert weiter und wird zunehmend besser. Abschließend danken wir noch besonders allen, die ehrenamtlich mitgeholfen haben. Ohne Euch hätte nichts so reibungslos funktioniert!

Nachwuchs im Team Wild Wheels

Seit August 2017 hat das Team „Wild Wheels“ jungen Nachwuchs bekommen. Henri und Moritz Ziegner, 10 und 13 Jahre alt, sind Brüder und bringen frischen Wind in das Team. Am Liebsten treffen sie am Spielfeld als Gegner aufeinander, doch auch Teamplay funktioniert schon einwandfrei. Beide sind in den Vorbereitungen zur ersten Österreichischen Liga miteinbezogen worden; aufgrund der fehlenden Gitter durften sie leider nicht mitspielen (in der ersten Liga sind keine Übungsgitter erlaubt). Sie entwickeln sich schnell, auch wenn die Geduld altersgemäß recht niedrig angesiedelt ist. Die Brüder leiden an der Erbkrankheit Duchenne.

 

Henry hat seinen Permobil F5 perfekt unter Kontrolle. Ein kleiner Nachteil ist der Frontantrieb, wobei man es Henry überhaupt nicht anmerkt. Er steuert diesen souverän durch jeden Parcour und kennt nach kürzester Zeit schon alle Regeln.

 

Moritz fährt einen Quickie Jive M, diesen beherrscht er besonders gut. Der sehr wendige Mittelantrieb hat seine Vor- aber auch Nachteile. Der 13-jährige kennt ebenso alle Regeln und meistert jeden Parcour fast fehlerfrei und ist einer der schnellsten Spieler in unserem Team.

 

Familie Ziegner kommt aus der Steiermark (Bezirk Hartberg). Die Anreise von knapp über einer Stunde nehmen die Eltern sowie die beiden Fußballer gerne in Kauf. Die zwei jungen Steirer werten das Team auf und sind bei jedem Training mit dabei.

 

„Ich bin sehr froh die beiden im Team zu haben“, freut sich Teamkapitän Michael Streit. „Die beiden bringen sehr viel Ehrgeiz mit und werden bestimmt mal ganz große Spieler.“

Im absoluten Vordergrund steht beim Team „Wild Wheels“ der Spaß. Wer keinen Spaß hat, bringt auch nicht die volle Leistung. Da unser Team mittlerweile acht Spieler zählt, mussten wir auch beim Trainerteam aufstocken. So ist seit Oktober Bruno Wurst (Spitzname „Hannes“) nicht nur als Fahrer und technisches Crewmitglied dabei, sondern auch als Trainer. Das Team hat nun insgesamt vier Trainer. Mit Jakob Schriefl und Michael Streit sind zwei davon am Spielfeld, mit Jasmin und Hannes sind zwei Trainer außerhalb des Spielfelds. Immer wieder werden Übungen besprochen, absolvierte Spiele analysiert und das Training angepasst.

Eines ist sicher - wir dürfen von den Spielern des Teams „Wild Wheels“ noch so einiges erwarten!

Generalversammlung: Groß mit 100 Prozent wiedergewählt

Im Zuge der Generalversammlung am 2. Dezember 2017 wurde Hans-Jürgen Groß neuerlich zum Präsidenten des ÖZIV Burgenland gewählt. Die Delegierten sprachen sich zu 100 Prozent für den amtierenden Präsidenten des Landesverbandes aus. Das Team, das im Jahr 2013 zuletzt im Zuge der ordentlichen Generalversammlung gewählt wurde, bleibt, bis auf ein paar Veränderungen, gleich:

 

Ebenfalls einstimmig wurden KommR. Dr. Alfred Kollar, Dr. Erwin Würrer und LAbg. aD. Elisabeth Ficker zu den Stellvertretern des Präsidenten gewählt.

 

Über 100 Prozent Zustimmung durften sich auch die anderen Vorstandsmitglieder freuen: Werner Wassicek bleibt weiterhin der Kassier der Verbandes, die Kassier-Stellvertreter-Tätigkeit übernimmt Jugendsprecher Jakob Schriefl. Zum Schriftführer wurde Manfred Seifert gewählt; Dipl. Ing. Andreas Wuketich bleibt weiterhin Schriftführer-Stellvertreter. Zum Vorsitzenden des Schiedsgerichtes wurde Ing. Mag. Stefan Würrer bestellt.

 

Mag. Gerald Gruber (LBG Burgenland) wurde im Zuge der Generalversammlung zum Rechnungsprüfer gewählt, Mag. Gerold Stagl, Experte für Gemeinden und Versicherungen, wurde in den Vorstand kooptiert.

 

Die nächste Generalversammlung findet in vier Jahren statt.

 

„Mit diesem tollen Team werden wir weiterhin für die Interessen und Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen im Burgenland eintreten. Im Vordergrund stehen die Themen Erwachsenenschutzgesetz, persönliche Assistenz in der Freizeit, gleichwertiger und kostengleicher Schulbesuch und die derzeit unklar geregelte Rehabilitation von Kindern mit Geburtsbehinderungen.“ so Präsident Groß.

Martin Beljadziiski - Künstler, Maler, Autor und Mitglied unserer Wild Wheels E-Rolli Fußballmannschaft

Martin ist besser bekannt unter seinem Künstlernamen Artur Belja. Er wurde im Juni 1981 in Sofia (Bulgarien) geboren. Er leidet unter einer angeborenen spinalen Muskelatrophie. Er ist also schon seit frühester Kindheit auf den Rollstuhl angewiesen. Martins Muskeln bauen sich sehr schnell ab. Eine Besserung oder Heilung ist nicht in Sicht und nach heutigem Stand der Medizin auch nicht möglich. Doch Martin wollte sich nicht damit abfinden. Der Kopf funktioniert ja einwandfrei, nur der Körper macht nicht das, was er eigentlich sollte. Heute kann Martin seinen linken Zeigefinger bewegen und den Daumen sowie den Zeigefinger der rechten Hand. Trotz alledem schreibt Martin Geschichten und Bücher, malt seine berühmten „Swing Pics“ und veranstaltet Workshops in Schulen. Für all jene Aufgaben benötigt er eine persönliche Assistenz.

Im Jahr 2002 wurde seine Kurzgeschichte „Der einsame Komet“ im Literaturmagazin „Odyssee“ veröffentlicht. Martin schreibt Fantasy-Romane, Kurzgeschichten und Lyrik. Zudem hält er periodische Lesungen. Bereits in jungen Jahren wurde sein künstlerisches Talent erkannt und gefördert. Der autodidaktische Künstler malt vorwiegend Aquarell. Im Jahr 2014 gewann er die Titelbild-Ausschreibung für die Charity Organisation „Charity bei Austria“. 2015 war seine bislang größte Ausstellung im „Le Méridien Vienna“ zu sehen; im selben Jahr wurde das Titelbild für die „Charity by Austria“ präsentiert. 2016 folgte die Ausstellung „Begegnung mit dem Anderen“. Martin entwickelte auch seine eigene Maltechnik „Swing Pics“. Dabei werden die eigenen Schwingungen zu Papier gebracht. Aus den verschwungenen Linien arbeitet der Künstler mit geübtem Blick vielfältige Formen und Figuren heraus. So werden Schwung und Bewegung in Bildsprache verwandelt. Jedes „Swing Pic“ erzählt etwas über den inneren Schwung der zeichnenden Person, die gestaltende Interpretation und über die Ausarbeitung des Künstlers.

Doch wie entstehen seine Bilder? Bezirksleiter Michael Streit hat ihn gefragt: Die „Swing Pic“-Maltechnik setzt sich aus den Begriffen „Swing“ (für Schwung) und „Pic“ (für Bild) zusammen. Bei dieser Technik lasse ich meist mein Gegenüber seinen inneren Schwung mit geschlossenen Augen auf einem A5-Blatt ausführen. Aus dem entstandenen Liniengewirr arbeite ich dann meine „Swing Pics“ heraus. Durch meine Empathie entstehen so, in einem aufwendigen Arbeitsverfahren, einmalige Bilder, die den inneren Schwung in eine erkennbare Bildsprache verwandelt. Zumeist wird ein „Swing Pic“ auf einem A5-Blatt geboren, da ich - aufgrund meiner Muskelkrankheit - nur auf dieser Größe meine Skizzen anfertigen kann. Meine Körperbehinderung soll jedoch bei meiner Kunst und auch in diesem Wettbewerb keine Rolle spielen. Ist die Skizze abgeschlossen, wird diese in den Computer eingescannt und von mir nachbearbeitet, wobei sie auf Größe A4 formatiert wird. Die fertige Skizze wird dann ausgedruckt und in einem weiteren mühsamen Verfahren auf ein 425 g/m² schweres Aquarellpapier von Hahnemühle transferiert. Anschließend werden alle Linien noch einmal mit einem wasserfesten Tuschemarker von Faber Kastell nachgezogen. Die Aquarellfarben von „Winsor & Newton“ hauchen dem  „Swing Pic“ schlussendlich  Farbe ein.

Im März 2017 fand Martin auch endlich den Weg zu den Wild Wheels - unserer E-Rolli Fußballmannschaft. Dank seinem neuen Rollstuhl mit Spezialsteuerung kann er diese aufstrebende Sportart ausüben. Eines wollte Martin aber schon immer - einem Beruf nachgehen! Mit seinem Eifer hat er auch das geschafft und arbeitet seit August 2017 bei „Assistenz 24“ in Wien.

Die komplette Ausgabe als Download:


Ausgabe Dezember 2017 (pdf)


  • Magic Moments
  • Landeswappen Burgenland